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Libyen Zum Glück

 ·  Gaddafi ist zwar militärisch besiegt. Doch weder die Übergangsregierung noch die internationale Diplomatie können warten, bis endgültig klare Verhältnisse herrschen. Welch ein Glück für die europäischen Strategen, dass man sich in Benghasi nur eine arabisch-muslimische Truppe vorstellen kann.

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Gaddafis Gegner wollen den Krieg gewinnen, indem sie den Libyern zu trinken, zu essen und zu tanken geben. Das ist eine Mammutaufgabe. Doch das beim Sturm auf die Hauptstadt im - naiven oder kalkulierten - Überschwang ausgegebene Kriegsnahziel, Gaddafi tot oder lebendig aus dem tripolitanischen Tunnelverkehr zu ziehen, scheint vielen Revolutionären nun in noch weiterer Ferne zu liegen als das florierende freie Libyen.

Der verjagte Machthaber ist zwar militärisch besiegt. Auch dass Gaddafi nun den Möchtegernfußballstar unter seinen Söhnen zum Unterhändler erklären lässt, wirkt wie eine letzte Zuckung. Doch weder die Übergangsregierung noch die internationale Diplomatie können warten, bis endgültig klare Verhältnisse herrschen. Die meisten Regierungen haben erkannt, dass Versorgung Sicherheit voraussetzt, für die wohl auch ausländische Polizisten sorgen müssen.

Welch ein Glück für die europäischen (und deutschen) Strategen, dass man sich in Benghasi nur eine arabisch-muslimische Truppe vorstellen kann.

Unterhändler?

Die Ankündigung wirkt wie das letzte Aufgebot: Ausgerechnet Saadi Gaddafi soll laut einem Sprecher des untergetauchten Revolutionsführers jetzt mit den Rebellen über eine Machtübergabe verhandeln. Politisch hatte sich dieser Sohn Gaddafis im Unterschied zu seinem Bruder Saif al Islam nie sonderlich hervorgetan. Dafür hielt er sich für einen der größten afrikanischen Fußballer.

Seine Karriere bei mehreren italienischen Profivereinen wie dem AC Perugia verdankte er indes weniger seinen sportlichen Leistungen als dem Geld seines Vaters, das er nach Italien mitbrachte. Weniger als dreißig Minuten soll er insgesamt in Italien als Spieler im Einsatz gewesen sein. Dafür beteiligte sich Libyen vor zehn Jahren mit 7,5 Prozent am italienischen Traditionsverein Juventus Turin. In Libyen spielte Saadi später in der Nationalmannschaft und stand an der Spitze des Fußballverbands und des Erstligisten Al Ittihad.

Zugleich versuchte sich der 1973 geborene Sohn des Staatschefs auch erfolglos mit einem amerikanischen Partner als Filmproduzent. Seit 2006 soll Saadi, der mit der Tochter eines Militärkommandeurs verheiratet ist, die libyschen Spezialkräfte kommandieren. Zuletzt hatte er den Rang eines Oberst. Rebellen warfen ihm vor, er habe in Benghasi auf unbewaffnete Demonstranten schießen lassen. Zu Wochenbeginn hatten Gaddafis Gegner gemeldet, Saadi sei - wie sein Bruder Saif al Islam - in ihrem Gewahrsam. Das stellte sich jedoch bald als unzutreffend heraus. (hcr.)

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Jahrgang 1975, Redakteur in der Politik.

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