09.08.2006 · Hizbullah-Führer Nasrallah hat den Plan der libanesischen Regierung begrüßt, 15.000 Soldaten zur Überwachung eines Waffenstillstands im Süden des Landes zu stationieren. Unterdessen weitet Israel seine Bodenoffensive nochmals aus.
Hizbullah-Führer Scheich Hassan Nasrallah hat den Plan der libanesischen Regierung begrüßt, 15.000 Soldaten zur Überwachung eines Waffenstillstands im Süden des Landes zu stationieren. „Wir sind mit der Entsendung der Streitkräfte an die Grenzen einverstanden“, sagte Nasrallah am Mittwoch abend in einer Fernsehansprache.
In der Vergangenheit habe sich die Hizbullah dem widersetzt, weil man sich um die Streitkräfte Sorgen gemacht habe. Er verhehle nicht, daß man auch jetzt um die Soldaten fürchte, erklärte der Führer der schiitischen Miliz. „Die Streitkräfte könnten innerhalb weniger Tage zerschlagen werden.“
Kämpfen „bis zum letzten Schuß“
Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora hatte vorgeschlagen, nach einem israelischen Rückzug aus dem Libanon 15.000 Mann an der Grenze zu stationieren. Nasrallah sagte, dies sei besser als die Entsendung einer internationalen Truppe, von der man nicht wisse, wer ihr die Befehle erteilen werde.
Er kritisierte den französisch-amerikanischen Entwurf für eine UN-Resolution als „unfair und ungerecht“. Darin habe Israel mehr bekommen als es gefordert habe. Nach Kritik der libanesischen Regierung und anderer arabischer Staaten soll der Resolutionsentwurf überarbeitet werden.
Nasrallah kündigte an, seine Miliz werde „bis zum letzten Schuß“ kämpfen und rief alle in Haifa lebenden Araber auf, die Stadt zu verlassen. Die Hizbullah hat die nordisraelische Hafenstadt mehrfach mit Raketen beschossen, dabei gab es Tote.
Israel rechnet mit bis zu 200 Toten
Vier Wochen nach Ausbruch des Kriegs im Libanon hat das israelische Sicherheitskabinett unterdessen an diesem Mittwoch beschlossen, seine Bodenoffensive im Nachbarland abermals auszuweiten. Das berichtete der staatliche Rundfunk. Das Kabinett hatte zuvor rund sechs Stunden über das weitere militärische Vorgehen beraten.
Bei der nun beschlossenen Bodenoffensive rechnet man in dem Gremium anscheinend mit 100 bis 200 Toten in den eigenen Reihen. Diese Zahlen nannte am Mittwoch ein israelischer Militärexperte während der Sondersitzung des Sicherheitskabinetts, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.
„Es wird wesentlich länger dauern“
Spitzenmilitärs und Kabinettsmitglieder wie Verteidigungsminister Amir Peretz hatten sich für eine Ausweitung der Offensive von jetzt schon 10.000 Soldaten bis zum Litani-Fluß und möglicherweise darüber hinaus eingesetzt. Damit soll noch vor der Vereinbarung eines Waffenstillstands ausgeschlossen werden, daß die Hizbullah-Miliz keine Raketen mehr nach Israel schießen kann. Das war bislang in vier Wochen Krieg nicht gelungen. „Die Raketen müssen vernichtet werden, und wir müssen der internationalen Schutztruppe ein klar umrissenes Gebiet überlassen“, forderte Umweltminister Gideon Esra.
Laut Medienberichten stimmten neun von zwölf Ministern für den Einsatz, drei enthielten sich der Stimme. „Die Einschätzung ist, daß es 30 Tage dauern wird“, zitierte die Zeitung „Haaretz“ Arbeitsminister Ischai. „Ich halte solche Schätzungen für falsch. Ich denke, es wird deutlich länger dauern.“
UN-Resolution am Donnerstag?
Die Abstimmung des UN-Sicherheitsrats über einen Resolutionsentwurf der Vereinigten Staaten und Frankreichs wurde abermals verschoben. Der französische Präsident Jacques Chirac äußerte sich in Toulon davon überzeugt, daß Washington damit einverstanden sei, die Vorschlägen des Libanons und der Arabischen Liga in den Entwurf einzuarbeiten. Der Libanon bemängelt, daß in dem Text die Forderung nach einem sofortigen Abzug Israels nicht enthalten ist und statt dessen nur das Ende der Kampfhandlungen gefordert wird. Mit der Verabschiedung einer Resolution wird nun für Donnerstag gerechnet.
Nach einem Waffenstillstand soll eine internationale Schutztruppe in den umkämpften Südlibanon einziehen. Sie soll ein robustes Mandat erhalten, um die Hizbullah entwaffnen zu können. Die libanesische Regierung hatte die Entsendung von 15.000 Regierungssoldaten vorgeschlagen. Ihre Armee hat aber kaum Kampferfahrung und verfügt nur über veraltete Ausrüstung.
Wachsende Kritik am Militär
Anscheinend unter dem Eindruck wachsender Kritik an den mageren Ergebnissen des Feldzuges der stärksten Armee in der Region ernannte Israel Generalmajor Mosche Kaplinsky zum Koordinator der Offensive. Nach Ansicht von Beobachtern wurde damit der Chef des Nordkommandos der israelischen Streitkräfte, General Udi Adam, kaltgestellt, obwohl er seine Position behält.
Die israelische Armee rückte laut libanesischen Sicherheitskreisen am Mittwoch von Taibeh, das fünf Kilometer von der Grenze entfernt ist, auf Kantara und andere Orte vor. Gekämpft wurde auch bei Bint Jbeil und Aita al Schaab. Der Fernsehsender Al Arabija meldete den Tod von vier israelischen Soldaten. Die Israelis sprachen von Kämpfen bei Kantara, äußerten sich aber nicht zu Verlusten. Die Hizbullah erklärte, zehn Israelis seien getötet oder verwundet worden. Ihre Kämpfer hätten außerdem sechs Panzer außer Gefecht gesetzt. Auch die Hizbullah äußerte sich nicht über eigene Verluste.
Bei israelischen Luftangriffen gab es im Libanon wieder Tote und Verletzte. (Siehe auch: Verhandlungen über Libanon-Resolution stocken)
Offensive gegen den Terror
Klaus Hammer (K.Hammer)
- 09.08.2006, 20:18 Uhr
Ein Theorie oder die wahrheit.
Nice Day (rajabi)
- 09.08.2006, 22:02 Uhr
Grenztruppe von Nasrallahs Gnaden
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 10.08.2006, 01:33 Uhr
@klaus Hammer
ulf schneider (nazguel)
- 10.08.2006, 11:20 Uhr