Home
http://www.faz.net/-gpf-t13u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Libanon-Krieg Israel: Falsche Karten führten zum Beschuß von UN-Posten

15.09.2006 ·  Der tödliche Beschuß eines UN-Beobachterpostens im Südlibanon durch das israelische Militär ist laut einer Untersuchung auf fehlerhafte Karten zurückzuführen. „Es gab ein Malheur bei der Vervielfältigung“, teilte das Außenministerium mit.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (6)

Der tödliche Beschuß eines UN-Beobachterpostens im Südlibanon durch das israelische Militär ist laut einer Untersuchung auf fehlerhafte Karten der Region zurückzuführen. Bei dem israelischen Angriff waren im Juli vier Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben gekommen.

Israel stellte am Donnerstag die Ergebnisse einer eigenen Untersuchung des Vorfalls Vertretern aus Österreich, Kanada, China und Finnland vor - den Herkunftsländern der Opfer. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte, die Karten der Gegend seien vervielfacht worden, um sie den Soldaten mitzugeben. „Es gab ein Malheur bei der Vervielfältigung der Karten. Der UN-Posten war darauf nicht so markiert, wie er es hätte sein sollen, und das verursachte die Tragödie.“

„Hizbullah-Stellung mit feindlicher Aktivität“

Israel hatte seinen Krieg gegen die Hizbullah im Libanon begonnen, nachdem die radikale Organisation zwei israelische Soldaten entführt hatte. Laut dem Sprecher wurde während der Untersuchung festgestellt, daß sich rund 100 Meter hinter dem UN-Posten nach Chiam eine Stellung der Hizbullah mit „feindlicher Aktivität“ befand. Deswegen sei der Angriff angeordnet worden. „Wenn das israelische Militär gewußt hätte, daß das Ziel ein UN-Posten war, wäre der Angriff nicht angeordnet worden“, sagte der Sprecher.

Nach der Bombardierung des Postens war es zu einem heftigen Streit zwischen Israel und den Vereinten Nationen gekommen. UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den „offenbar absichtlichen Angriff“ scharf und zeigte sich „schockiert und tief verstört“. Die UN hatten Israel nach eigenen Angaben etwa ein Dutzend Mal angewiesen, das Bombardement des Postens einzustellen. Israel hatte tiefstes Bedauern über den Vorfall geäußert und erklärt, die Todesfälle seien auf einen „tragischen, operativen Fehler“ zurückzuführen. Eine Untersuchung des Vorfalls durch eine UN-Kommission lehnte Israel aber ab.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7