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Libanon-Einsatz Friedensmacht zur See

18.08.2006 ·  Auf die Idee, durch eine freiwillige Meldung zur Marine den Gefahren zu entgehen, die auf die UN-Truppen in der südlibanesischen Pufferzone lauern, kam man nicht nur in Berlin. Ein Kommentar von Berthold Kohler.

Von Berthold Kohler
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Wenn die Mitglieder der Vereinten Nationen weiter so freizügig Torpedoboote, Fregatten und Versorgungsschiffe bereitstellen wie in den vergangenen Tagen, dann könnte es vor der libanesischen Küste bald so gedrängt zugehen wie 1944 in den Küstengewässern der Normandie. Im Gegensatz zum Zweck der damaligen Invasionsflotte entspringt die derzeit in New York zu beobachtende Neigung zur Aufstellung einer imposanten maritimen Streitmacht aber dem Ziel, möglichst nicht mit großen Infanterieeinheiten an Land gehen zu müssen.

Auf die Idee, durch eine freiwillige Meldung zur Marine den Gefahren zu entgehen, die auf die UN-Truppen in der südlibanesischen Pufferzone lauern, kam man nicht nur in Berlin. Die Bundesregierung aber war so gewissenhaft, gleich eine „bedeutende maritime Komponente“ zur Bewachung der ganzen libanesischen Küste anzubieten. Da bliebe für andere kaum noch etwas zu tun übrig, jedenfalls nicht auf See.

Allseits begrenzte Bereitschaft

Es ist verständlich, daß niemand sich danach drängt, die Resolution 1701 an Land durchzusetzen. Die Unschärfe dieses Beschlusses, der das Ende der Militärherrschaft der Hizbullah im Südlibanon fordert, jedoch nicht festlegt, wie es herbeigeführt werden soll, spiegelt die an Unmöglichkeit grenzende Schwierigkeit wider, von außen eine Terroristenorganisation zu entmachten, an der sich selbst die israelische Armee die Zähne ausbiß.

Video: UN beraten über Truppen für den Libanon

Einen diesen Zweck verfolgenden „Kampfeinsatz“, um den die deutschen Scheingefechte der vergangenen Tage wogten, verlangt die Resolution gar nicht; darüber war keine Einigkeit herzustellen. Doch muß nun rasch geklärt werden, was die UN-Truppen im Libanon tun dürfen und tun müssen. Sonst wird die Bereitschaft zur Aufstockung weiter allseits begrenzt bleiben.

Auch mit einem gemäßigten Mandat entkämen die UN-Kräfte aber nicht ihrer Stellung zwischen den Fronten. Die Konstruktion zur Erhaltung der Waffenruhe trägt nur, wenn alle Beteiligten - bis hin zu den Hintermännern in Syrien und Iran - das wollen. Jeder von ihnen kann sie aber jederzeit wieder zum Einsturz bringen. Die große Koalition scheint seit Steinmeiers Damaskus-Erlebnis zunehmend Gefallen an dem Gedanken gefunden zu haben, Friedens- und Seemacht zu sein. Auch Kanzler Kohl hatte schon einmal mit der Entsendung von Minensuchern ins östliche Mittelmeer Gefährlicheres vermieden.

Quelle: F.A.Z., 19.08.2006, Nr. 192 / Seite 1
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Jahrgang 1961, Herausgeber.

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