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Leitglosse Sieg der IG Metall

04.05.2007 ·  hig. Lohnzurückhaltung war gestern. Ohne großen Widerstand haben die Arbeitgeber der Metallindustrie den Streikdrohungen der Gewerkschaft stattgegeben und sich auf einen Tarifabschluss eingelassen, der so manchen Betrieb trotz der besonders guten Konjunktur in Bedrängnis bringen könnte.

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hig. Lohnzurückhaltung war gestern. Ohne großen Widerstand haben die Arbeitgeber der Metallindustrie den Streikdrohungen der Gewerkschaft stattgegeben und sich auf einen Tarifabschluss eingelassen, der so manchen Betrieb trotz der besonders guten Konjunktur in Bedrängnis bringen könnte. Das liegt nicht nur an der außergewöhnlichen Höhe des Abschlusses, der mit einem Lohnzuwachs von zunächst 4,1 Prozent mehr verteilt, als Produktivitätsgewinn und Inflationsausgleich ratsam erscheinen lassen. Schwerer wiegt, dass sich die Gewerkschaften erfolgreich gegen eine Regelung gestemmt haben, die das finanzielle Risiko dieses Tarifabschlusses erträglicher gemacht hätte. Die Arbeitgeber hatten vorgeschlagen, einen nennenswerten Teil der Lohnerhöhung als einmaligen Konjunkturzuschlag zu zahlen. Damit wäre dem Wunsch der Beschäftigten nach Teilhabe an den hohen Erträgen Rechnung getragen, ohne der Zukunft vorzugreifen. Schließlich weiß niemand, wie lange der Aufschwung hält.

Die IG Metall hat es vorgezogen, die Gunst der Stunde - die Arbeitgeber konnten keinen Streik riskieren, um Aufträge nicht zu verlieren - auszunutzen und die Lohnerhöhung dauerhaft festzuschreiben. Die zusätzlichen Kosten müssen die Unternehmen also auch dann tragen, wenn die Auftragslage wieder schwächer wird. Daher wird dieser Abschluss nicht ohne Folgen für die Beschäftigung bleiben. So mancher Personalchef dürfte nun mit Neueinstellungen zögern und einmal mehr auf befristete Beschäftigung ausweichen, um flexibel zu bleiben.

Die IG Metall hat mit diesem Tarifvertrag gezeigt, dass sie aus der Vergangenheit nicht wirklich gelernt hat. Wer gehofft hatte, die Gewerkschaften hätten in den Jahren der Krise mehr Kostenbewusstsein und Verständnis für die Zwänge des globalen Wettbewerbs entwickelt, sieht sich enttäuscht. Ihr Ideal ist stets der beschäftigungsfeindliche Flächentarif geblieben. Die Gewerkschaften müssen nicht fürchten, für diese Demonstration der Stärke an den Pranger gestellt zu werden. Das ganze Land scheint in einen Taumel des Konjunkturoptimismus gefallen. Alles scheint möglich zu sein, selbst dass die Bäume in den Himmel wachsen. Die große Koalition trägt das Ihre dazu bei, das Volk in diesem Glauben zu bestärken. Der Wahlkampf wirft seinen Schatten voraus.

Quelle: F.A.Z., 05.05.2007, Nr. 104 / Seite 1
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