23.02.2007 · Nm. Der sogenannte Blaesheim-Prozess - benannt nach einem Dorf im Elsass - wurde 2001 auf einer holprigen Wegstrecke der deutsch-französischen Beziehungen erfunden: Bei informellen Treffen im Zweimonatsrhythmus sollten sich Chirac ...
Nm. Der sogenannte Blaesheim-Prozess - benannt nach einem Dorf im Elsass - wurde 2001 auf einer holprigen Wegstrecke der deutsch-französischen Beziehungen erfunden: Bei informellen Treffen im Zweimonatsrhythmus sollten sich Chirac und Schröder persönlich näherkommen; gleichzeitig wollten Paris und Berlin dabei ihre Politik genauer abstimmen. Das hat in der Phase heißer Auseinandersetzungen über den Irak-Krieg funktioniert - allerdings auf Kosten einer abgestimmten europäischen Position in dieser Frage. An den längerfristigen Problemen zwischen Deutschland und Frankreich, die in kulturell verankerten unterschiedlichen Auffassungen von Politik wurzeln, hat es jedoch nichts geändert.
Dazu gehören mit Sicherheit divergierende Ansichten über die Bedeutung von Industriepolitik. Obwohl die Deutschen da sicherlich nicht die makellos weiße marktwirtschaftliche Weste haben, von der sie gerne reden, sind sie doch meilenweit entfernt vom französischen Ansatz: Für Paris ist es eine schiere Selbstverständlichkeit, dass der Staat in Unternehmen hineinregiert, denen strategische Bedeutung - nicht nur im militärischen Sinn - zugeschrieben wird. Airbus steht auf der Liste solcher Unternehmen ganz oben: Nicht nur dass technisches Wissen für die Konstruktion von Flugzeugen unzweifelhaft auch militärische Aspekte hat; hier geht es auch darum, einen "europäischen Champion" zu stützen und zu schützen, der - in Pariser Augen ein besonders wichtiger Effekt - dem amerikanischen Konkurrenten Paroli bietet. Das zeigt sich im Unternehmen bis in die Führung hinein: Während der EADS-Präsident Louis Gallois ein Beamter, also eine Art Staatskommissar, ist, kommt sein gleichberechtigter deutscher Ko-Vorsitzender Enders aus der Privatwirtschaft, ist also weit weniger angewiesen auf die Gunst der Politik.
An dieser grundlegenden Asymmetrie kann auch "Blaesheim" nichts ändern. Chirac und Bundeskanzlerin Merkel konnten vielmehr nur formulieren, was schon vor diesem Treffen allseits beteuert worden war: Bei der notwendigen Sanierung von Airbus müssten Lasten und Zukunftschancen gleichgewichtig verteilt werden; konkrete Entscheidungen seien jedoch Sache des Managements. Damit ist alles gesagt und nichts gelöst. Der Rest ergibt sich - siehe oben - fast von selbst.