17.04.2005 · pes. Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind gegenwärtig so schlecht wie seit langem nicht mehr. Jede Seite fordert von der jeweils anderen hartnäckig eine Entschuldigung, die aber beide ebenso hartnäckig verweigern.
pes. Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind gegenwärtig so schlecht wie seit langem nicht mehr. Jede Seite fordert von der jeweils anderen hartnäckig eine Entschuldigung, die aber beide ebenso hartnäckig verweigern. Wenn zwei so wichtige Länder miteinander streiten, müßte das den Rest der Welt eigentlich interessieren und bewegen. Aber es herrscht beredtes Schweigen ringsum.
So echt der Nationalismus der chinesischen Demonstranten auch sein mag, so wenig geht es der Führung in Peking im Grunde um Japans mangelhafte Beschäftigung mit der eigenen kriegerischen Vergangenheit. Vielmehr demonstriert hier eine nach eigenem Selbstverständnis aufsteigende Macht ebendies: Macht. Und sie hat sich dafür ein dankbares Objekt ausgesucht. Zum einen stimmen die gegen Japan erhobenen Vorwürfe. Zwar haben sich Vertreter des Landes in den vergangenen Jahren für viele Verbrechen entschuldigt, die im Namen des Kaisers in asiatischen Ländern während des Zweiten Weltkrieges begangen worden sind. Doch hatte man niemals das Gefühl, daß das aus Überzeugung geschah. Vielmehr erschien es politisch opportun. Ebendeshalb kann China heute sicher sein, daß kein Staat in der Region die Partei Japans ergreifen wird.
Das kann man bei Staaten, die einst unter japanischer Besatzung zu leiden hatten, noch verstehen. Wieso sich aber zum Beispiel die Europäer aus diesem Konflikt so auffällig heraushalten, ist unverständlich. Wünschen die China-Versteher in Berlin, Paris und London eine Stärkung Chinas auf Kosten des alten Verbündeten Japan? Sie sollten die möglichen Folgen bedenken. Wie auch immer Japan zu seiner Vergangenheit steht, nicht einmal die Kritiker in Asien behaupten heute im Ernst, daß Tokio dereinst wieder eine Aggressionspolitik betreiben werde. Gleiches von China zu behaupten verlangt erheblich größeres Gottvertrauen - man denke an das Beispiel Taiwan. Zwar behauptet Peking bei jeder Gelegenheit, daß China eine friedliche Entwicklung zu mehr Wohlstand anstrebe. Aber im Interesse der Macht des großen Reiches wird nichts ausgeschlossen. Einen Staat, der ein solch ungezwungenes Verhältnis zur Gewalt hat, sollte man wachsam beobachten, nicht mit Waffenlieferungen belohnen.