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Leitglosse Abschied?

 ·  K.F. Der Bundeskanzler im Weißen Haus - der Gedanke an die "lahme Ente" drängt sich förmlich auf, um das Maß an politischer Macht wiederzugeben, das Schröder in Amerika noch zugebilligt wird. Richtig dabei ist die Möglichkeit, daß ...

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K.F. Der Bundeskanzler im Weißen Haus - der Gedanke an die "lahme Ente" drängt sich förmlich auf, um das Maß an politischer Macht wiederzugeben, das Schröder in Amerika noch zugebilligt wird. Richtig dabei ist die Möglichkeit, daß im Herbst ein neuer Bundestag gewählt werden könnte und es zu einem Regierungswechsel in Berlin kommt, den nicht wenige in Washington herbeisehnen. Der Gedanke an die lahme Ente ist aber nicht einseitig. Bush ist im Popularitätstief - noch gut zwei Jahre, und auch er wird sein politisches Kapital aufgebraucht haben, das meiste im Irak. Wie hoch die Rendite dann sein wird, ist im Augenblick Spekulationssache.

Wenn es tatsächlich das letzte eigene Treffen der zwei Amtsinhaber war, dann fügt es sich in das bekannte Muster ein: gute, sachliche Zusammenarbeit auf der einen Seite; auf der anderen zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, die zum Teil mit großer Schärfe ausgetragen wurden. Der Dissens fing an mit dem Kyoto-Protokoll, erreichte den Höhepunkt im Irak-Zerwürfnis und könnte nun noch einen neuen Akzent bekommen, da in Iran ein radikalislamischer Präsident gewählt worden ist, der den "alten" Westen auf die Probe des Zusammenhalts stellen dürfte. Sollte Iran sich nicht von der Urananreicherung und einem geschlossenen Brennstoffkreislauf abbringen lassen, wird sich schnell zeigen, was die Beteuerungen wert gewesen sind, Amerikaner und Europäer seien sich einig im Urteil über den Ernst der Lage. Und in den Konsequenzen?

Es fällt auf, daß Schröder sogleich "offensivere" europäische Angebote in Aussicht stellt und vor "übereilten" Sanktionen warnt. Offenbar scheint er zu glauben, die Regierung Bush habe die machtpolitische Verkrustung in Iran geradezu herbeigesehnt, weil sie dann ihren Lieblingsweg, den der Konfrontation, einschlagen könne. Merkwürdig klingt Schröders Warnung: nach einem Test für geeignete Wahlkampfthemen; das hatte man so ähnlich schon vor drei Jahren. Die Warnung ist freilich auch ein Eingeständnis, daß Konsequenzen im Repertoire des Kanzlers nicht vorgesehen waren. Umgekehrt kann man sich nicht vorstellen, daß Bush Schröder mit einem Geschenk entläßt: einem Sitz für Deutschland im UN-Sicherheitsrat. Amerikas Bereitschaft, Berlin entgegenzukommen, dürfte durch die Forderungen Teherans, gleichfalls einen Sitz im Sicherheitsrat zu erhalten, noch geringer geworden sein.

Quelle: F.A.Z., 28.06.2005, Nr. 147 / Seite 1
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