21.02.2009 · Es gibt zu wenige Lehrer in Deutschland. Deshalb trachten die Bundesländer danach, sie einander abzuwerben. Eine einheitliche Strategie gibt es nicht - jedes Land geht anders mit seinen Pädagogen um. Ob das auf Dauer gutgeht?
Von Nicolas WolzAm Berufsstand des Lehrers scheiden sich hierzulande seit je her die Geister. Was den einen nach einem allzu lockeren Leben mit zwölf Wochen Ferien im Jahr und einem soliden Beamtengehalt aussieht, erscheint den anderen als „über alle Maßen anstrengend“, wie es der Potsdamer Psychologe Uwe Schaarschmidt formuliert hat. Vielleicht liegt es daran, dass der Lehrerberuf vor allem die schlechteren Schüler anzieht, wie eine aktuelle Studie zeigt. (Siehe: Wettstreit der Bundesländer: Super-Lehrer dringend gesucht) Viele, die eigentlich lieber etwas anderes gemacht hätten, aber für ihren Traumjob nicht gut genug waren, schlittern aus Mangel an Alternativen in den Schuldienst hinein. Und sind dann auch dort nur mäßig erfolgreich. Schaarschmidt hält einen guten Teil der Lehrer für ungeeignet: „Sie sind ausgebrannt, obwohl sie nie gebrannt haben.“
Ohne einheitliche Strategie
Klar ist aber auch: Es gibt zu wenige Lehrer in Deutschland. Deshalb trachten die Bundesländer gerade danach, einander die Pädagogen abzuwerben. Nachdem Hessen bereits im vergangenen Jahr die Initiative „Lehrer nach Hessen“ gestartet hatte, versucht es nun auch Baden-Württemberg mit einer Charmeoffensive. „Sehr guten Morgen, Herr Lehrer“ steht auf den Plakaten, die derzeit etwa in Berlin überall zu sehen sind.
Dazu muss man wissen: In Berlin werden Pädagogen grundsätzlich nicht mehr verbeamtet, in Baden-Württemberg (und nicht nur dort) winkt schon den Berufsanfängern der Beamtenstatus. Eine einheitliche Strategie gibt es nicht – jedes Land geht anders mit seinen Lehrern um.
Ob das auf Dauer gutgeht? Wenn das Ziel heißt, mehr qualifizierte und motivierte Lehrer an die deutschen Schulen zu locken, dann darf es nicht nur um die Bezahlung gehen. Kleinere Klassen, entschlackte Lehrpläne, attraktivere Arbeitsplätze und mehr Eigenverantwortung können ebenso starke Lockmittel sein wie eine Beamtenurkunde.