Home
http://www.faz.net/-gpf-rqch
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 18. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Leben nach dem Kanzleramt Schröder berät Medienkonzern Ringier

24.11.2005 ·  Das größte Schweizer Verlagshaus Ringier hat den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als Berater für Fragen der internationalen Politik engagiert. Schröder soll sein Amt im Januar antreten und dem Konzern „die ein oder andere Tür öffnen“.

Artikel Bilder (2) Video Lesermeinungen (0)

Der Schweizer Medienkonzern Ringier hat den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Berater für Fragen der internationalen Politik engagiert. Schröder werde sein Amt im Januar antreten, teilte der Verleger Michael Ringier am Donnerstag in Zürich mit.

Schröder habe „keinen 40-Stunden-Vertrag“, sagte ein Verlags-Sprecher in Zürich. Es werde aber davon ausgegangen, daß Schröder ein bis zwei Tage in der Woche an dem für ihn eingerichteten Arbeitsplatz in der Hauptzentrale des Konzerns in Zürich verbringe.

„Die ein oder andere Tür öffnen“

Ein Schwerpunkt der Arbeit werden Reisen mit dem Eigentümer des größten Schweizer Medienkonzerns sein. Scherpunkte hierbei seien Osteuropa und Asien. Man hoffe auf Schröders „politisches Feingespür“, um dem Verlag neue Märkte zu öffnen. Der Sprecher betonte, man sei im Konzern „sehr stolz“ darauf, den früheren deutschen Bundeskanzler als Mitarbeiter begrüßen zu dürfen.

„Diese Verpflichtung basiert auf einer freundschaftlichen Beziehung, die es seit einigen Jahren gibt. Es war eigentlich immer irgendwie klar, daß wir mal was zusammen machen, und jetzt ist eben der Zeitpunkt dazu gekommen“, sagte Eigentümer Michael Ringier am Donnerstag. Schröder sei „einer der großen Staatsmänner“ der heutigen Zeit. „Und er wird ganz bestimmt auch die eine oder andere Tür öffnen können.“ Über die Vergütung für Schröders Tätigkeit machte der Verlag keine Angaben.

Ringiers „Cicero“ streitet mit dem Innenministerium

Ringier ist das größte Verlagshaus der Schweiz und verlegt nach eigenen Angaben etwa 100 Publikationen in zehn Ländern, besitzt zehn Druckereien, produziert und vermarktet mehr als zehn Fernsehsendungen. Bei Ringier erscheint unter anderem das Boulevardblatt „Blick“ und die Wirtschaftszeitung „Cash“. In Deutschland gibt der Verlag das politische Monatsmagazin „Cicero“ heraus, das erst kürzlich in einen Streit mit dem Innenministerium unter dem scheidenden Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) geriet.

Die Polizei hatte im September die Redaktion und die Wohnung des „Cicero“-Autors Bruno Schirra durchsucht und dabei etliche Unterlagen beschlagnahmt. Schirra hatte in einem Artikel über den Terroristen Abu Mussab al Zarqawi aus vertraulichen Unterlagen des Bundeskriminalamts zitiert.

Das Magazin hält die Durchsuchungen für eine Verletzung der Pressefreiheit, die Bundesregierung verneinte jedoch noch Mitte November einen generellen Vorrang der schutzwürdigen Interessen von Journalisten gegenüber den Strafverfolgungsbehörden. Das Innenministerium hält auch die Beschlagnahme von Unterlagen für gerechtfertigt, die nichts mit jenem Fall zu tun haben, der die Durchsuchung ausgelöst hatte.

Anbahnung im August?

Schröder war im August während einer Auszeit vom Bundestagswahlkampf zu einem kurzen Privatbesuch in die Schweiz gereist. In Ascona am Lago Maggiore speiste der Kanzler mit etwa hundert geladenen Gästen aus der Schweiz und anderen europäischen Ländern. Veranstaltet wurde das Diner von Frank A. Meyer, Chefpublizist und Ringiers persönlicher Berater. (Siehe auch: Schröders neuer Job: „Was mit Medien“)

Schröders Amtszeit als Bundeskanzler endete am Mittwoch um Mitternacht, nachdem Amtsnachfolgerin Angela Merkel am Dienstag vereidigt worden war. Sein Bundestagsmandat legte Schröder mit Wirkung vom heutigen Donnerstag an am Mittwoch nieder.

Der 61 Jahre alte Politiker will wieder als Rechtsanwalt arbeiten und sich in Berlin niederlassen. Er hatte zudem angekündigt, ein Buch schreiben zu wollen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die erste Frau

Von Berthold Kohler

Auch das hat es noch nicht gegeben: Eine Rücktrittserklärung eines Bundespräsidenten mit einer politischen Liebeserklärung an seine Frau. Mehr 5 5

Umfrage

Wer soll Bundespräsident werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.