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La-Belle-Anschlag Libyen: Entschädigung für deutsche Opfer vereinbart

 ·  Gaddafi will die Isolation seines Landes beenden: Libyen bewilligte 28,4 Millionen Euro Entschädigung für die deutschen Opfer des Anschlags auf die Diskothek „La Belle“ in Berlin 1986. Damit ist der Weg für einen Besuch Schröders in Libyen frei.

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18 Jahre nach dem Bombenanschlag auf die Berliner Discothek „La Belle“ bekommen deutsche Opfer insgesamt 35 Millionen Dollar (28,4 Mio Euro) Entschädigung von Libyen. Darauf einigten sich am Dienstag die libysche Gaddafi-Stiftung und deutsche Opfer-Anwälte nach monatelangen Verhandlungen in Berlin, teilten die Bundesregierung sowie Opferanwälte mit. Mit der Summe werden mehr als 160 Opfer entschädigt.

Doch geht es um mehr als eine späte Genugtuung für die damals Verletzten. Es ist eine hochpolitische Einigung, die für Libyen der letzte Schritt aus seiner jahrzehntelangen internationalen Isolation sein könnte. Ein erstes Signal dafür setzte sofort im Anschluß an den Durchbruch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er will schon bald Revolutionsführer Gaddafi in Libyen besuchen.

Geschichte aus den Tagen des Kalten Krieges

Mit der Einigung von Berlin, die am 3. September mit einer feierlichen Vertragsunterzeichnung in Tripolis endgültig besiegelt werden soll, wird eine scheinbar endlose Geschichte aus den Tagen des Kalten Kriegs zumindest teilweise zu den Akten gelegt. Auf dem Höhepunkt internationaler Spannungen hatte der libysche Geheimdienst im Frühjahr 1986 den Bombenanschlag auf die bei amerikanischen Soldaten beliebte Westberliner Diskothek veranlaßt, um die Reagan-Administration in Washington zu treffen - so stellte es im Jahr 2001 das Berliner Landgericht fest. Reagan ließ deshalb unmittelbar danach Angriffe gegen Libyen fliegen. Zwei Jahre später eskalierte der Konflikt weiter mit dem Anschlag auf eine amerikanische Pan-Am-Maschine über Lockerbie, für den Libyen ebenfalls inzwischen Entschädigungen zugesagt hat.

Etwa 230 Menschen, die sich auf einen entspannten Disko-Besuch im La Belle eingestellt hatten, gerieten in die Mühlen der Weltpolitik. Zwei Amerikaner und eine Türkin starben in den Trümmern der völlig verwüsteten Disko. Die Verletzten, die den tragischen Anschlag mit teils schlimmsten Verbrennungen, Knochenbrüchen und geplatzten Trommelfellen überlebten, werden den Alptraum seither nicht mehr los. Viele klagen bis heute über Schweißausbrüche, Phantomschmerzen, Horrorträume und endlose Pfeiftöne im Kopf.

Die damals sehr schwer Verletzten sollen nun jeweils 350.000 Dollar erhalten, die übrigen Verletzten knapp 190.000 Dollar, die Hinterbliebenen der türkischen Frau eine Million. Auch der Besitzer des La Belle soll nach all den Jahren noch eine Entschädigung bekommen. „Selbstverständlich kann Geld letztlich keine Wiedergutmachung des Leids darstellen, das unsere Mandanten erlitten haben“, erklärte Opferanwalt Ulrich von Jeinsen nach der Einigung. Die Zahlungen könnten aber zumindest einen Teil der Behandlungskosten abdecken.

Kapitel geschlossen

Obwohl für die amerikanischen Verletzten und die Hinterbliebenen der beiden toten amerikanischen Bürger noch weiter verhandelt wird - sie hatten vor amerikanischen Gerichten auf Entschädigung geklagt und suchen nun eine eigene Einigung mit der libyschen Seite - ist das Kapitel La Belle damit für die Bundesregierung offenbar geschlossen. Damit sei nun die „Intensivierung der bilateralen Beziehungen“ zwischen Deutschland und Libyen möglich, erklärte Regierungssprecher Béla Anda. Für die Diplomatie und auch die deutsche Wirtschaft, die auf gute Geschäfte bei der Ausstattung des Wüstenstaats mit moderner Infrastruktur hofft, war der Entschädigungsstreit letztlich vor allem ein ärgerliches Hindernis. Nun scheint fast alles wieder möglich: schneller Ausbau der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, Hermes-Bürgschaften und als äußerliches Zeichen, daß alles wieder gut wird, der Kanzlerbesuch. Die Gespräche, wann und wie Schröder nach Libyen reist, sollen sofort aufgenommen werden.

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