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Kundus-Untersuchungsausschuss Guttenbergs Wende-Legende

21.03.2010 ·  In der ersten großen Runde des Kundus-Untersuchungsausschusses ist die zentrale Frage dieser zu einer Causa Guttenberg gewordenen Feldschlacht noch deutlicher herausgearbeitet worden: Was um alles in der Welt hat den Minister zu einer Neubewertung des Luftschlags veranlasst?

Von Eckart Lohse
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Die erste der ganz großen Runden des Kundus-Untersuchungsausschusses ist vorüber. Machtpolitisch war es vielleicht sogar die wichtigste. Der einstige Generalinspekteur Schneiderhan und der ebenfalls ehemalige Staatssekretär Wichert sind absehbar diejenigen Zeugen, die den derzeitigen Verteidigungsminister zu Guttenberg am heftigsten bedrängen können und auch den meisten Grund dazu haben, da er sie schließlich rausgeworfen hat. Schon die Lautstärke, mit der die Opposition jetzt ruft, Guttenberg sei in Bedrängnis, zeigt, dass das nur mäßig der Fall ist.

Sicherlich, die beiden Zeugen haben den Minister weiter belastet, indem sie glaubhaft nachzeichneten, dass er alle erforderlichen Informationen hatte oder mühelos hätte haben können, um die Bombardierung zweier Tanklaster in Kundus im September vorigen Jahres genau zu bewerten. Auch wurde deutlich, dass Guttenberg sich gegenüber seinen beiden damals wichtigsten Mitarbeitern kaum für die Angelegenheit interessierte. Ihnen verfehlte Informationspolitik vorzuwerfen ist mithin nicht sehr stichhaltig.

Nächtliche Clausewitz-Lektüre? Ein Gespräch mit der Gattin?

Dadurch ist allerdings die zentrale Frage dieser zu einer Causa Guttenberg gewordenen Feldschlacht im Berliner Politsandkasten nur noch deutlicher herausgearbeitet worden. Wenn es nicht das Vorenthalten von Informationen war, das den Minister nach der Art eines Haken schlagenden Hasen dazu gebracht hat, die von Oberst Klein veranlasste Bombardierung von Menschen und Lastwagen zuerst zwingend und anschließend falsch zu finden, was um alles in der Welt war es dann? Nächtliche Clausewitz-Lektüre? Ein Gespräch mit der Gattin?

Video: Schneiderhan bestreitet Informationsunterschlagung

Wohl kaum. Ein Mann mit dem Selbstbewusstsein Karl-Theodor zu Guttenbergs führt sich nicht aus schierer intellektueller Einsicht selber als wankelmütig vor. Nicht erwiesen, aber wahrscheinlicher ist, dass der unerfahrene Minister einen deutlichen Hinweis bekommen hat, in Zeiten, da man über den Abzug aus Afghanistan nachdenke, sei eine allzu krachende Rückendeckung für Klein nicht angemessen. Von wem? Keine Ahnung. Aber so furchtbar viele Personen sind nicht in der Position, Guttenberg solche Hinweise zu geben.

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Jahrgang 1963, Leiter des Büros der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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