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Kundgebungen gegen Israel : Demonstranten im Regen

Die Polizei war mit einem Großaufgebot in Berlin präsent Bild: REUTERS

Trotz Regens zogen mehrere hundert Demonstranten für und gegen Israel durch Berlin. Obwohl es immer wieder Aggressionen gab, hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle.

          Regen setzte ein, als die erste Kundgebung am Adenauerplatz mit hundert Teilnehmern begann. Die Reden blieben weitgehend unverständlich, junge Leute mit schwarzen T-Shirts („Deutschland abschaffen“) und Israel-Flaggen auf Regenbogenuntergrund trotzten dem Wetter. Die Berliner Linke-Prominenz, Stefan Liebich und Klaus Lederer, zeigten sich wacker. Am George-Grosz-Platz, einige Straßen weiter östlich am Kurfürstendamm, stand das Establishment. Die ganz feinen Leute saßen am Fester des Cafés, das Israel-Fähnchen sichtbar an die Scheibe gedrückt.

          Mechthild Küpper

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Es redeten Yakov Hadas-Handelsman, der israelische Botschafter, es betete Rabbi Teichtal von den orthodoxen Lubawitschern, dann sprach Volker Beck (Grüne), der zuvor reihum Interview gegeben hatte. Die frühere Grünen-Europaabgeordnete und erfahrene Friedensaktivistin Eva Quisdorp spottete über die große Zahl von Teilnehmern, und lehnte es ab, ein Transparent mit der Aufschrift „Nieder mit der islamischen Republik“ zu tragen.

          Dirk Niebel (FDP) war gekommen, das Ehepaar Sommer (er früherer DGB-Vorsitzender, sie SPD-Schatzmeister), die Journalistin Lea Rosh zeigte sich in schwarzem Leder. „Wir sind solidarisch mit den Palästinensern!“, versicherten Teilnehmer per Plakat, und ein anderes Schild zitierte Golda Meir, nach der es erst Frieden geben werde, wenn „Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen“.

          Auf der anderen Seite des Kurfürstendamms, an der Ecke zur Wilmersdorfer Straße, sammelte sich um halb drei Uhr die israelfeindliche Al-Quds-Demonstration. Es wurde „Kindermörder Israel“ gerufen und laut „Tagesspiegel“ am Rande auch „Israel vergasen“. Die Polizei nahm zwei Demonstranten wegen kleinerer Delikte fest.

          „Kein Platz für Antisemitismus“

          Bei der linken Gegenkundgebung standen etwa 250 bis 300 Menschen, auf deren Seite „Lang lebe Israel“ erscholl und Israel-Fahnen geschwenkt wurden. Immer wieder versuchten Pro-Palästinenser, Gegendemonstranten anzugreifen. Die Polizei, die mit 1000 Beamten im Einsatz war, konnte beide Lager aber voneinander getrennt halten. Sie hatte vor der Demonstration Auflagen erteilt: Die Tötung, Verletzung oder Entführung von Menschen durfte nicht gutgeheißen werden. Es durften keine Gegenstände - etwa israelische Flaggen - verbrannt werden: ein in anderen Ländern übliches Al-Kuds-Ritual.

          Noch alles ruhig: Auf dem Kurfürstendamm in Berlin
          Noch alles ruhig: Auf dem Kurfürstendamm in Berlin : Bild: REUTERS

          Die Polizei zeigte sich bei allen drei Veranstaltungen geduldig und überaus freundlich, aber zeigte demonstrativ große Präsenz und Entschlusskraft. „Ich habe deutlich gemacht, dass in Berlin kein Platz für Antisemitismus ist“, hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) vorher klargestellt. Ein Mann musste eine mitgebrachte Fahne abgeben und zeigen, was er unter seinem voluminösen Regencape so alles hatte. Erregt bot er an, „nackt“ zur Demonstration zu gehen, doch die Beamten ließen sich nicht beeindrucken.

          Es rückten orthodoxe Anti-Zionisten an, ganz in Schwarz mit großen Hüten und verschwanden rasch wieder. Jemand rezitierte auf dem Al-Quds-Veranstaltungswagen eine Sure aus dem Koran, was nach Auffassung des Moderators „auch Nicht-Muslimen“ gut tut. Auf Plakaten war das Erwartbare zu lesen: „Günther Grass hat gesagt, was gesagt werden muss“, ein Kind hielt ein Schild mit der These „Silence is a war crime“, und das größte Transparent behauptete: „Nichts ist antisemitischer als Zionismus“. Schließlich schätzte die Polizei, es seien 300 bis 400 statt, wie erwartet, 1500 Al-Quds-Demonstranten geworden.

          Quelle: F.A.Z.

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