26.10.2004 · Im sozialistischen Kuba wird der Gebrauch des Dollars drastisch eingeschränkt. Staatschef Castro begründete die neuen Maßnahmen als Reaktion auf die feindliche Politik Washingtons.
Elf Jahre nach seiner Legalisierung hat Kuba den Dollar als Zahlungsmittel abgeschafft. Wie es in einem am Montag abend im Staatsfernsehen verlesenen Beschluß der Zentralbank heißt, darf vom 8. November an in Devisenläden, Hotels und anderen Einrichtungen nur noch mit sogenannten „Konvertiblen Pesos“ bezahlt werden.
Zwar dürfen die Kubaner weiterhin Dollars besitzen, doch kann dann die amerikanische Währung nur mit einem Abschlag von 10 Prozent in konvertible Pesos umgetauscht werden. Dies gilt auch für Touristen.
Verschärfte amerikanische Sanktionen
Staats- und Parteichef Fidel Castro, der sich am vorigen Mittwoch bei einem Sturz die Kniescheibe zertrümmert hatte, war am Montag abend im Fernsehstudio anwesend und begründete die neuen Maßnahmen als Reaktion auf die feindliche Politik der Vereinigten Staaten. Der amerikanische Präsident George W. Bush hatte Mitte des Jahres die Möglichkeiten privater Geldtransfers nach Kuba drastisch eingeschränkt, um auf diese Weise die Devisenknappheit auf der Insel noch zu verschärfen. Nach Aussage Castros versuchen die Vereinigten Staaten außerdem, ausländische Banken zu bestrafen, die Kuba mit Dollar versorgen.
In Kuba hat sich der Dollar seit den frühen 90er Jahren zu einer Zweitwährung entwickelt, mit der sehr viele Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Kubaner dürfen ihn seit 1993 besitzen. Bis zu den am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getretenen verschärften amerikanischen Sanktionen hatten im Ausland lebende Kubaner ihren Verwandten daheim nach verschiedenen Schätzungen zwischen 800 Millionen und 1,2 Milliarde Dollar pro Jahr überwiesen oder bei Reisen mitgebracht. Neben dem wertlosen nationalen Peso hatte es auf Kuba auch früher schon einen konvertiblen Peso im Wert von einem Dollar gegeben.
Zwangsumtausch auch für Ausländer
Der Mitteilung der Zentralbank zufolge sind auch Ausländer vom Zwangsumtausch betroffen. Sie müssten Euro, Pfund, Franken oder Kanadische Dollar in Konvertible Pesos wechseln, bräuchten dabei habe keine zehn Prozent Abschlag zu zahlen. In den Badeorten Varadero und Jardines de Rey könne auch weiterhin mit Euro in bar bezahlt werden. Dollarkonten auf der Insel würden nicht angegriffen.