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Kritik der Kanzlerin am Vatikan Unglückliche Einlassungen, unselige Traditionen

04.02.2009 ·  Hat Angela Merkel nun bekommen, was sie wollte, als die Bundeskanzlerin das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zurechtwies? Tatsächlich hätte Benedikt XVI. die Nachhilfe aus Berlin nicht gebraucht. Gleichwohl hat der Vatikan im „Fall Williamson“ zu langsam reagiert.

Von Daniel Deckers
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Hat Angela Merkel nun bekommen, was sie wollte, als sie in ihrer Eigenschaft als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zurechtwies?

An öffentlichem Beifall für ihren Tadel, durch die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe könne der Eindruck entstehen, dass es der Vatikan an Eindeutigkeit im Umgang mit dem Judentum fehlen lasse, mangelt es jedenfalls nicht. Möglicherweise wird er sich sogar in einem Anstieg der Sympathiewerte der CDU-Politikerin niederschlagen.

Allerdings widerspricht die Einlassung der Bundeskanzlerin nicht nur jedem politischen Anstand, sondern erinnert auch an längst vergangen geglaubte Zeiten, in denen evangelische Landesherren als oberste Bischöfe das Kirchenregiment ausübten und ein Reichskanzler namens Bismarck einen Kulturkampf gegen die katholische Kirche führte.

Unnötige Nachhilfe aus Berlin

Denn der Aufforderung an Benedikt XVI., sich von jeder Form der Leugnung oder Verharmlosung der Ermordung der europäischen Juden während des Nationalsozialismus zu distanzieren, bedurfte es nicht. Das hat der Papst schon vor einer Woche und vielfach zuvor unmissverständlich getan, ohne dass er dazu die Nachhilfe aus Berlin gebraucht hätte.

Auf einem anderen Blatt steht, dass Papst Benedikt abermals gezwungen war, sich zu diesem Thema zu äußern - und das nicht ohne eigenes Verschulden. Es kann Joseph Kardinal Ratzinger, dem früheren Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, nicht verborgen geblieben sein, dass der klassisch-katholische Antijudaismus in der Lefebvre-Bewegung weiterhin eine Heimstatt hat und sich vor allem in Frankreich mit dem Antisemitismus der französischen Rechten paart - allenfalls, dass im Schatten dieser Gemengelage Gestalten wie Bischof Williamson ihr Unwesen treiben.

Die Versöhnungsgeste des Papstes galt nicht Leugnern des Holocausts, sondern Gegnern des II. Vatikanischen Konzils und der darin vollzogenen Abkehr von vielen unseligen Traditionen der Kirche.

Doch warum mussten nach der Klarstellung vom vergangenen Mittwoch nochmals sieben Tage vergehen, ehe der Vatikan sich zu der Äußerung bequemte, dass die wirkliche Integration der Lefebvre-Bewegung ein mehrfaches Abschwören voraussetzt - von der Leugnung des Holocausts und von der Verteufelung des Konzils?

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Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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