19.02.2003 · Nach Ansicht des ägyptischen Präsidenten Mubarak fällt die Entscheidung über einen Irak-Krieg in den nächsten zwei bis drei Wochen. Saddam müsse jetzt voll mit den UN-Inspekteuren zusammenarbeiten.
Die endgültige Entscheidung über einen Irak-Krieg fällt nach Ansicht des ägyptischen Präsident Hosni Mubarak spätestens in den nächsten zwei bis drei Wochen. Wenn der irakische Diktator Saddam Hussein in dieser Zeit nicht voll mit UN-Waffeninspekteuren zusammenarbeite, „gibt es Krieg“, zeigte sich Mubarak am Mittwoch bei seinen Gesprächen in Berlin überzeugt.
Der Staatschef aus Kairo, der mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammentraf, sagte im ZDF, die Amerikaner würden Bagdad nicht mehr monatelang Zeit einräumen. Die Vereinigten Staaten seien nach Angaben von Präsident George W. Bush willens, die Krise friedlich zu lösen. Dies setze aber die Zusammenarbeit Saddams voraus. „Die USA geben ihm zwei bis drei Wochen", sagte Mubarak. „Saddam muss das begreifen und seine Entscheidung jetzt treffen.“ Bush habe ihm, Mubarak, mehrmals telefonisch versichert, dass er weiter bereit sei, den Konflikt friedlich zu lösen. Voraussetzung sei aber, dass der Irak sage, wo genau sich die Massenvernichtungswaffen befänden.
Kein ägyptisches Asyl für Saddam Hussein
Auch nach dem Treffen mit Schröder schlug Mubarak unerwartet deutliche Töne in Richtung Bagdad an. Den Waffeninspekteuren müsse zwar ausreichend Zeit gegeben werden, „aber es muss eine begrenzte Zeit sein“, betonte er. Als gefährlichstes Problem in der gesamten Region bezeichnete er den Konflikt zwischen Israel und Palästinensern. Wenn die Irak-Frage gelöst sei, müsse umgehend auch der Nahost-Konflikt beigelegt werden, forderte Mubarak. Die habe er auch Bush klargemacht.
Der ägyptische Präsident zeigte sich überaus skeptisch, dass der irakische Diktator freiwillig sein Land verlässt: „Wenn man die irakische Geschichte kennt und weiß, wie das dort früher nach einem Staatsstreich verlaufen ist, dann glaube ich nicht, dass Saddam ins Exil gehen will“, sagte er. Ägypten werde ihn jedenfalls nicht aufnehmen. „Wir haben keinen Platz für Exilanten.
Mubarak warnte Washington zugleich vor einem Krieg ohne Zustimmung des UNO-Sicherheitsrats: „Ich hoffe, dass die USA den Krieg nicht ohne grünes Licht des Sicherheitsrats beginnen", sagte er. Dieser könne einen Angriff als einziger legitimieren.
Arabische Staaten uneins
Ägypten lehnt einen Krieg gegen Irak wie Deutschland ab und will auch die anderen Staaten der Arabischen Liga von dieser Haltung überzeugen. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) plant nach Informationen aus Saudi-Arabien am 5. März eine Sondersitzung zur Irak-Krise. Bisher haben neun Mitglieder ihre Teilnahme an dem Treffen zugesagt.
Unter den arabischen Staaten gibt es bezüglich der Irak-Frage offene Differenzen. So riefen vergangene Woche bei einem Treffen in Kairo die arabischen Außenminister die arabischen Staaten dazu auf, militärische Maßnahmen gegen Irak nicht zu unterstützen. Golfstaaten wie Saudi-Arabien befinden sich in einem Dilemma, weil amerikanische Truppen auf ihrem Territorium stationiert sind, dies aber von einer Mehrheit der jeweiligen Bevölkerung abgelehnt wird.