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Veröffentlicht: 26.03.2014, 13:59 Uhr

Ukraine-Kommentare im Internet Meinungsschlacht um die Krim

In den Kommentarspalten der Nachrichtenportale schlagen die Leser eine Schlacht um die Deutung der Krim-Krise: Putin als „scharfsinniger Stratege“, die Majdan-Mitglieder als „Putschisten Merkels“. Ist das russische Propaganda? Moskau kommt die Debatte nicht ungelegen.

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© REUTERS Klischee deutscher Medien? Ein Plakat bei einer proukrainischen Demonstration in Prag.

Als Journalist muss man zurzeit einiges aushalten, wenn man in die Kommentarspalten der großen deutschen Nachrichtenportale blickt. „Was soll dieses hartnäckige Propagandageschwurbel“, wird ein Autor bei FAZ.NET namentlich beschimpft. In dem Artikel über die Entwicklungen in der Ukraine würden „gewollt wichtige Details und ganze Sinnzusammenhänge“ unterschlagen.

Julian  Staib Folgen:

Warum solle die Abstimmung auf der Krim illegal sein, aber die Absetzung Viktor Janukowitschs nicht, fragt ein Leser auf „Tagesschau.de“. „Diese ekelhafte Doppelmoral, unterstützt durch die Systempresse, ekelt mich an“. Die Einseitigkeit der Berichterstattung in fast allen deutschen Medien habe „einen Punkt erreicht, der mit Propaganda sehr freundlich umschrieben ist“, schreibt ein Leser auf Süddeutsche.de „Was“, fragt er, „geht bloß in den Köpfen dieser Journalisten vor?“

„Ein Glücksfall für Russland“

Auf den großen deutschen Nachrichtenseiten schreiben Leser – größtenteils unter Pseudonym - täglich Tausende Kommentare. Zumeist sind sie sehr kritisch. Aber noch nie war es so wild wie derzeit, berichten Mitarbeiter, die das sichten, was über die Kommentarfunktionen und auch über Facebook hereinschwappt. Sichten müssen.

Vorgebracht werden zumeist dieselben Argumente: Die EU und die Vereinigten Staaten unterstützten mit der Majdan-Bewegung und der neuen Regierung in Kiew „Faschisten“, der Westen habe einen paramilitärischen Putsch gegen eine demokratisch gewählte Regierung unterstützt, „vielleicht sogar angezettelt“. Moskau sei hintergangen worden, das Referendum auf der Krim ein Akt der Selbstbestimmung. Mitglieder der Majdan-Bewegung werden „Putschisten Merkels“ genannt, Putin dagegen als „scharfsinniger Stratege“ bezeichnet. Der russische Präsident, schreibt ein Leser, sei nach dem „Komplettausverkauf des Landes“ nun ein „Glücksfall für Russland“.

Das erinnert stark an die Argumentation Moskaus - und in Russland verweist man gerne auf die sozialen Netzwerke des Westens. Dort gebe es eine „intellektuelle Revolte gegen die Haltung der Mainstream-Medien, die Putin ohne jede Objektivität dämonisieren“, schreibt der kremlnahe Politikwissenschaftler Sergei Markow. Markow lehrt unter anderem am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO). Die Universität hatte jüngst einem Professor gekündigt, weil dieser die russische Politik gegenüber der Ukraine scharf kritisierte. Nutzer sozialer Netzwerke sympathisierten deutlich mit Putin, „und ihre Unterstützung wird wachsen“, schreibt Markow.

„Aufstand gegen ‚Russland-Bashing‘“, nennt das Andrej Iwanowski. Er ist Leiter des deutschen Dienstes der staatlichen russischen Nachrichtenagentur „Ria Nowosti“. Die sozialen Netzwerke wimmelten von „schreienden Kommentaren der empörten Medienkonsumenten“, schreibt er. Dank der „tendenziösen Berichterstattung“ über Sotschi sei den Europäern „der Kragen geplatzt“. „Was sollen diese Angriffe auf Russland?“, zitiert er Leser aus Deutschland.

Von Moskau gesteuert?

Manch einer vermutet, dass zumindest ein Teil der Empörungswelle im deutschsprachigen Internet von Moskau organisiert sein könnte. Nachweisen lässt sich das nicht. Die IP-Adressen, von denen die Kommentare abgesandt wurden, stammen zum größten Teil aus Deutschland. Und wenn man sich einige Kommentatoren genauer anschaut, so sind viele davon schon seit Jahren aktiv. Einer, der meint, der Westen habe „Putin zu einer entschlossenen Reaktion genötigt“, hat bei FAZ.NET seit 2005 rund 2500 Kommentare geschrieben: zu Merkel, den Republikanern, der deutschen Innenpolitik und so weiter.

Woher kommt die Empörung? Vielleicht drückt sich in den Kommentaren tatsächlich ein Unmut gegenüber der Politik der Bundesregierung aus. „Warum, warum, warum können unsere Politiker sich nicht damit abfinden, dass die Menschen in Kiew und der Ost-Ukraine sich lieber Russland anschließen wollen, als von der Gnade ultranationaler Putschisten abzuhängen?“, schreibt ein Leser auf „Zeit Online“.

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