02.08.2001 · Der bosnisch-serbische General Krstic wurde heute wegen seiner Beteiligung am Massaker von Srebrenica zu 46 Jahren Haft verurteilt.
Radislav Krstic ist der erste Angeklagte, den das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes verurteilte. Der 53-Jährige ist nach
dem Urteil des Tribunals einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker von Srebrenica - nach UN-Einschätzung die schlimmste Gräueltat in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Er soll dafür 46 Jahre im Gefängnis sitzen.
Das Haager Urteil beendet eine militärischen Musterkarriere. Krstic wurde am 5. Februar 1948 in Vlasenica in Ostbosnien geboren und an den Militärakademien von Sarajevo und Belgrad ausgebildet. An der Akademie von Sarajevo war er von 1972 bis 1981 in gehobener Position tätig und diente anschließend als Befehlshaber der jugoslawischen Armee. Sein Aufstieg beschleunigte sich mit Beginn des Bosnienkriegs 1992. Der General wurde Kommandeur innerhalb der bosnisch-serbischen Streitkräfte (VRS). Als Vize-Kommandeur des Drina-Korps hat er die Tötung bosnischer Moslems in Srebrenica nach dem Urteil des Tribunals hauptsächlich zu verantworten.
Angeklagter wirkte unbeteiligt
Krstics Karriere fand ein abruptes Ende, als er am 2. Dezember 1998 in Bijeljina in der Serbischen Republik von Soldaten der NATO-geführten Bosnien-Friedenstruppe SFOR festgenommen wurde. Damals war er Befehlshaber der bosnisch-serbischen Streitkräfte. Der Prozess gegen Krstics begann am 13. März 2000 unter dem Vorsitz
des amerikanischen Staasanwaltes Mark Harmon.
Der hagere Mann mit dem ausgezehrten Gesicht verfolgte das Verfahren weitgehend unbeteiligt und blieb auch bei den Schilderungen der Gräueltaten durch Augenzeugen ungerührt. Er gab immer wieder an, die Einnahme Srebrenicas sei nicht von langer Hand geplant gewesen. Seine Verteidiger führten an, er sei zum Zeitpunkt des Massakers gar nicht Kommandeur gewesen. Die Anklage hatte lebenslang Haft gefordert.