11.01.2010 · Der „sinnstiftende Dialog“ zwischen EKD und Verteidigungsministerium nimmt seinen Anfang: Statt auf einen schnellen Abzug zu dringen, ist Frau Käßmann nun bereit, mit Guttenberg Afghanistan zu besuchen.
Von Georg Paul HeftyDieser Minister lässt sich nicht das Heft aus der Hand nehmen, diese Bischöfin lässt sich nicht den Mund verbieten. Eine Konstellation wie geschaffen für den großen Zusammenprall der Verteidiger und der Gegner des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Nach deutscher Gewohnheit werden in solchen Momenten Sätze geschleudert wie „Es ist naiv, in Afghanistan mit Gebeten und Kerzen Frieden schaffen zu wollen“, wie es der Wehrbeauftragte Robbe tat. Oder von der anderen Seite: „Auch nach den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche ist dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen“, wie es die EKD-Ratsvorsitzende predigte. Üblicherweise folgt auf solche Rufe der rivalisierenden Rechthaber der Dialog der politisch Gehörlosen: jeder redet, keiner hört hin.
Noch sind die Rituale der Friedensbewegung vom Anfang der achtziger Jahre in Erinnerung; oder spiegelbildlich die Totschlagbehauptungen rot-grüner Minister. Gegen Fischers Hinweis, im Kosovo drohe ein Auschwitz, oder Strucks Aussage, am Hindukusch werde über die Sicherheit Deutschlands entschieden, sollte jede Widerrede im Keim ersticken. Das apodiktische, furchterregende Gerede sollte die Begründungsnöte überdecken; Fischer hatte diese Rhetorik sogar über seinen Wechsel von der einen Seite der Barrikade auf die andere beibehalten.
Guttenberg hat mit diesem Stil gebrochen, gleichermaßen in der Innen- wie in der Verteidigungspolitik. „Wir sollten alle relativ gelassen und unaufgeregt jetzt diese nächsten Wochen angehen. Wir haben genug Themen zu beackern. Und das sollte man nicht mit einem schrillen Ton machen.“ Diese Sätze waren zwar auf die Kritiker der Kanzlerin gemünzt, aber sie richten sich ebenso an die Kritiker des Afghanistan-Einsatzes. Statt auf einen beschleunigten Abzug zu dringen, ist Frau Käßmann nun bereit, mit Guttenberg das Einsatzgebiet zu besuchen. Der Minister eröffnet das Zwiegespräch mit der EKD, die Bischöfin stellt sich dem Gespräch mit der Bundeswehrführung. Der „sinnstiftende Dialog“ nimmt seinen Anfang. Guttenberg wird nicht (mehr) zum Buhmann einer neuen Friedensbewegung werden - und trotzdem von den Soldaten anerkannt sein: Nach dem Friedensgespräch mit Frau Käßmann machte er der Luftwaffe seine Aufwartung.
Respekt!
Christian Köhler (Advokaat30)
- 11.01.2010, 21:55 Uhr
Der "Kampf um das Pipelineprojekt"!
Alfons Ringel (A.Ringel)
- 11.01.2010, 22:39 Uhr
Margott will nur dem anderen Gott hallo sagen
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 12.01.2010, 00:10 Uhr
Das hat den Afghanen noch gefehlt
Peter Glowatz (Herr_Glowatz)
- 12.01.2010, 01:39 Uhr
Zwiegespraech? -Mit Speck faengt man Maeuse!
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 12.01.2010, 04:03 Uhr
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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