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Krieg im Libanon Mehr Hizbullah-Raketen als jemals zuvor an einem Tag

02.08.2006 ·  Auf die israelische Kommandoaktion in Baalbek, bei der mehrere Libanesen gefangengenommen wurden, hat die Hizbullah mit starkem Raketenfeuer reagiert. Iran hat der Miliz seine Unterstützung versichert.

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Die israelische Armee hat in einer Kommandoaktion in Baalbek mehrere Libanesen gefangengenommen und nach Israel gebracht. Im Hizbullah-Sender Al Manar wurde bestritten, daß es sich dabei um führende Mitglieder der Miliz handele. Bei der Militäraktion in der Nacht zum Mittwoch in dem über achtzig Kilometer von der israelischen Grenze entfernten Ort waren nach Angaben der libanesischen Polizei zwölf Menschen ums Leben gekommen. Ziel der Militäraktion war offenbar ein Krankenhaus, das vor allem die Hizbullah nutzen soll. Nach unbestätigten Berichten vermutete man auf israelischer Seite dort die im Libanon entführten israelischen Soldaten. Bei einem israelischen Luftangriff bei Sidon wurden am Mittwoch drei libanesische Soldaten getötet.

Unterdessen schlug im Osten Israels zwischen Dschenin und Beit Schean eine Hizbullah-Rakete ein. Die Einschlagsstelle liegt 70 Kilometer von der Abschußstelle entfernt. Das ist die größte Entfernung, die ein solches Geschoß bisher ins Innere Israels zurückgelegt hat. Auch den Norden Israels nahm die Hizbullah wieder unter Beschuß. Bis zum Abend schlugen dort mehr als 180 Geschosse ein, mehr als je zuvor an einem Tag, wie die israelische Polizei mitteilte. Bei Naharija kam ein Mann ums Leben. Der israelische Ministerpräsident Olmert stellte klar, daß es noch Wochen dauern könnte, bis die Kämpfe aufhörten. Israel werde nicht das Feuer einstellen und auf eine internationale Truppe warten, während die Hizbullah die Gelegenheit für neue Angriffe nutze.

Pläne Ahmadineschads

Der iranische Präsident Ahmadineschad plant unterdessen, am Donnerstag an einem Krisentreffen der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zur Lage im Libanon teilzunehmen. Das teilten die iranische Delegation und der gastgebende malaysische Außenminister Syed Hamid Albar am Mittwoch mit. Die Teilnehmer des Treffens würden voraussichtlich ein sofortiges Ende des Kriegs zwischen Israel und der Hizbullah im Libanon und eine Beteiligung islamischer Länder an der geplanten internationalen Schutztruppe fordern.

Mehr Hizbullah-Raketen als jemals zuvor an einem Tag

Das geistliche Oberhaupt Irans hat den Kampf der Hizbullah gegen Israel gelobt und ihr die Unterstützung seines Landes zugesichert. „Der einzige Weg zum Sieg ist andauernder Widerstand gegen das Besatzerregime Israel“, sagte Ajatollah Chamenei am Mittwoch. Sein Land werde der libanesischen Nation und den kämpfenden Palästinensern beistehen. Den Vereinigten Staaten warf er vor, die „üblen Taten“ Israels im Libanon zu unterstützen. Die aggressive Haltung beider Länder werde den Widerstand in der islamischen Welt noch weiter anheizen.

Keine eigenen Beiträge

UN-Generalsekretär Annan hat für Donnerstag etwa 50 Mitgliedstaaten eingeladen, um über eine multinationale Libanon-Truppe zu beraten. Ein ursprünglich für Montag angesetztes Treffen war nach offiziellen Angaben an Terminschwierigkeiten gescheitert. Jedoch hatte Frankreich, das viele Diplomaten als wahrscheinliche Führungsnation einer internationalen Truppe ansehen, ein Treffen als verfrüht bezeichnet. Auch am Mittwoch hieß es aus dem französischen Außenministerium, Frankreich wolle sich auch am Donnerstag nicht an dem Arbeitstreffen beteiligen. Die Bundesregierung dagegen werde „auf hoher Beamtenebene“ vertreten sein, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. Er kündigte jedoch an, der Diplomat werde sich „rezeptiv“ verhalten und keine eigenen Beiträge über eine mögliche Beteiligung Deutschlands einbringen.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es noch keine Reaktionen auf den Vorschlag von Außenminister Steinmeier, das sogenannte Nahost-Quartett, dem die Vereinigten Staaten, Rußland, die Vereinten Nationen und die Europäische Union angehören, mit der Libanon-Krise zu befassen. Steinmeier hatte während seines Aufenthalts am Dienstag in Brüssel angeregt, das Quartett solle sich nicht nur wie bisher mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt befassen, sondern auch zur Beilegung der nun drei Wochen dauernden Waffengänge beitragen. Dazu sollen nach den Vorstellungen Steinmeiers auch arabische Staaten dem Quartett assoziiert werden. Im Auswärtigen Amt hieß es, es sei vor allem an Ägypten gedacht. Steinmeier wollte am Mittwoch nachmittag mit dem syrischen Außenminister telefonieren. In dem Gespräch sollten „gemeinsame Interessen“ abgeglichen werden, hieß es. Es gebe die Hoffnung, Syrien zu einer „konstruktiven Beteiligung“ zu veranlassen. Doch vermied das Auswärtige Amt den Vorschlag, auch Syrien solle bei Beratungen des Nahost-Quartetts dabeisein.

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