Die Nationale Anti-Drogenkampagne der Vereinigten Staaten wendet sich mit einem pathetischen Appell von Präsident George W. Bush an die amerikanische Jugend: „Wenn Du aufhörst, Drogen zu nehmen, machst Du mit beim Kampf gegen Terror in Amerika.“ Auf der Website www.theantidrug.com wird Amerika aufgeklärt: Wer Drogen kauft, finanziert den Terror, denn Terroristen bezahlen ihre Aktionen mit den Einnahmen aus Drogengeschäften. Nicht nur in der Anti-Drogenkampagne findet die Verknüpfung von Drogen und Terror zu einem Gesamt-Bösen ihren Niederschlag. Auch der neue Verteidigungshaushalt setzt Schwerpunkte, die dieser Sicht entsprechen: Der Krieg gegen den Terror wird zur Anti-Drogenkampagne - und umgekehrt. Die Folge: Die Kampfzone weitet sich aus.
Um 48 Milliarden Dollar will Bush den Wehretat aufstocken, ein Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Mittel für die Drogenbekämpfung in Südamerika sollen aufgestockt werden - ebenfalls um 14 Prozent. 731 Millionen Dollar will sich Washington den Anti-Drogenkrieg kosten lassen, allein für Kolumbien sind 439 Millionen Dollar vorgesehen. Mit dem Geld soll eine zweite Brigade der kolumbianischen Armee zur Rauschgiftbekämpfung aufgestellt werden.
Gift für den Friedensprozess
Gleich drei kolumbianische Organisationen sieht Washington in das Drogengeschäft verwickelt: Die beiden linksgerichteten Guerilla-Gruppen Farc und ELN und die rechtsgerichteten Paramilitärs der AUC. 80 Prozent der weltweiten Kokainproduktion soll aus kolumbianischen Labors stammen. Damit ist das Land seit Jahrzehnten im Blickpunkt amerikanischer Anti-Drogenpolitik. 1,3 Milliarden Dollar steckte Washington in den Anti-Drogenkrieg der kolumbianischen Regierung. Offiziell soll mit amerikanischer Hilfe nicht gegen die Guerilla gekämpft werden. Doch unter den neuen Vorzeichen des Anti-Terrorkampfes kann sich das ändern: Laut einem Bericht der „Washington Post“ sollen US-Militärberater die kolumbianischen Soldaten auch für den Kampf gegen Terrorgruppen im eigenen Land trainieren. Für die Versuche der kolumbianischen Regierung, mit den Rebellengruppen in einen Friedensdialog zu kommen, kann diese Entscheidung Gift sein.
Nicht nur in Südamerika haben die Vereinigten Staaten die Gegner für ihre neue Kombination aus Anti-Drogen-Kampf und Anti-Terror-Krieg ausgemacht. Von den 28 Organisationen, die in der schwarzen Liste des State Department als Terrorgruppen gebrandmarkt werden, sind nach amerikanischen Angaben 12 in das Geschäft mit den Drogen verstrickt. Unter anderem die Hizbollah, die kurdische Arbeiterpartei PKK, die tamilischen „Befreiungstiger“ und die baskische ETA.
Gegen Drogenterroristen auf den Philippinen
Auf die philippinische Gruppe Abu Sayyaf ist die Jagd schon eröffnet. 600 amerikanische Soldaten sind seit der vergangenen Woche im Einsatz gegen die Organisation, die nicht nur Drogen anbauen, sondern auch enge Verbindungen zum Al-Qaida-Netzwerk Usama bin Ladins haben soll. Offiziell wollen die Amerikaner die philippinische Armee für den Krieg gegen die moslemischen Rebellen trainieren. Noch ist unklar, ob sie auch selbst in den Kampf eingreifen werden.
Vielleicht müssen die USA bald auch ihre neuen Verbündeten in Afghanistan ins Visier nehmen: Das Land hat eine lange Tradition im Anbau von Mohn, dem Grundstoff für Heroin. 4.600 Tonnen der Droge produzierte Afghanistan 1999. Die Taliban verboten den Anbau, die Menge sank 2001 auf unter 50 Tonnen. Auf dem Gebiet der Nordallianz jedoch wurden 2001 noch rund 150 Tonnen Heroin hergestellt. Noch ist unklar, wie die Ernte im März und April ausfällt. Die Regierung Karzai will mit Hilfe des UN-Drogenkontrollprogramms die Produktion unterbinden. Doch ob sie damit Erfolg hat, ist fraglich: Viele Regionalfürsten sind wieder dabei, sich ihre alten Pfründe und Einnahmequellen zu sichern. Ob die internationalen Hilfen sie davon abhalten, wieder ins lukrative Drogengeschäft einzusteigen, ist zweifelhaft.