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Krieg am Golf 14. Tag: Amerikaner rücken in die "rote Zone" vor

02.04.2003 ·  Die amerikanischen Truppen haben am Mittwoch den äußeren Verteidigungsring der irakischen Streitkräfte im Süden Bagdads durchstoßen und sind weiter nach Norden in die sogenannte "rote Zone" vorgestoßen.

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Die amerikanischen Truppen haben am Mittwoch den äußeren Verteidigungsring der irakischen Streitkräfte im Süden Bagdads durchstoßen und sind weiter nach Norden in die sogenannte "rote Zone" vor der Hauptstadt vorgestoßen. Nach Angaben des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte in Doha in Qatar standen Panzer der 3. Division des Heeres im Tal des Euphrats etwa 40 Kilometer südlich von Bagdad. Weiter im Osten rückten Einheiten der Marineinfanterie am Tigris weiter nach Norden vor, nachdem sie in der Nacht bei Al Kut eine Brücke über den Fluß eingenommen hatten. Mit den Truppen mitreisende Journalisten berichteten von einem Vormarsch auf breiter Front, der auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen sei. Offenbar haben die fortgesetzten Angriffe der amerikanischen Luftwaffe auf die Stellungen der Republikanischen Garde im Süden Bagdads die Kampfkraft der Eliteeinheiten entscheidend geschwächt. Aus Bagdad, zumal aus den südlichen Vororten, sowie Kirkuk und Mossul im Norden des Landes wurden abermals heftige Detonationen gemeldet. Um die strategisch wichtige Stadt Kirkuk wurden nach amerikanischen Angaben bis zu 25 000 irakische Soldaten zusammengezogen.

Journalisten amerikanischer Fernsehsender, die sich mit den Truppen nach Norden bewegten, berichteten von einem raschen Vormarsch. Aus Bagdad hieß es von irakischer Seite dagegen, die Angreifer kämen nicht voran und seien in heftige Gefechte um die mittelirakische Stadt Nadschaf verwickelt. Es seien fünf Panzer und 13 gepanzerte Fahrzeuge und Transporter des Gegners zerstört worden.

Nach übereinstimmenden Berichten amerikanischer Medien begannen die Truppen des Heeres in der Nacht zum Mittwoch bei Kerbela etwa 80 Kilometer südlich der irakischen eine breit angelegte Bodenoffensive. Zugleich bombardierte die Luftwaffe Verteidigungsstellungen der irakischen Streitkräfte im Umland Bagdads. Verschiedene Divisionen der Republikanischen Garde seien "in Schwierigkeiten", sagte der Sprecher des für die Region zuständigen amerikanischen Zentralkommandos, Brigadegenarel Vincent Brooks in Qatar. Die in und nahe Al Kut stationierte Bagdad-Division sei aufgerieben worden. Der irakische Widerstand nördlich von Kerbela sei geringer gewesen als erwartet, berichtete ein Reporter des Nachrichtensenders CNN, der die Truppen begleitet. Kerbela ist die letzte große Stadt vor Bagdad. Der arabischspachige Fernsehsender Al Dschazira bestätigte Berichte amerikanischer Kanäle, wonach die amerikanische Marineinfanterie bei Al Kut den Tigris überquert habe und die Straße zwischen der etwa 150 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Kut und der Hauptstadt kontrolliere. Damit steht offenbar ein Vormarsch von Südwesten wie von Südosten auf Bagdad bevor. "Der Kreis um Bagdad schließt sich", sagte in Washington Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Im Süden der Hauptstadt stehen nach Angaben des Zentralkommandos 50 Ölgräben in Brand, die von den irakischen Streitkräften angelegt worden waren. Der irakische Diktator Saddam Hussein hatte seine Landsleute in einer Botschaft, die vom Informationsminister im Fernsehen verlesen worden war, zum Heiligen Krieg (Dschihad) gegen die ungläubigen Invasoren aufgerufen. Der Umstand, daß die Botschaft nicht von Saddam Hussein selbst verlesen wurde, weckte neue Zweifel, ob der Diktator den ersten Bombenangriff auf einen seiner Bunker am 20. März unbeschadet überstanden habe.

In der südirakischen Stadt Nassirija befreiten amerikanische Spezialeinheiten in der Nacht zum Mittwoch die seit dem 23. März als vermißt gemeldete Obergefreite Jessica Lynch aus einem Krankenhaus, das von irakischen Milizen auch als Quartier benutzt wurde. Das berichtete das Zentralkommando. Bei dem erfolgreichen Zugriff, über dessen Ablauf und Umstände nichts weiteres mitgeteilt wurden, wurden auch die sterblichen Überreste von weiteren Menschen gefunden. Dabei könnte es sich um die Leichen von weiteren Soldaten handeln, deren Versorgungskonvoi in einen irakischen Hinterhalt geraten war. Amerikanische Marineinfanteristen in Nassirija hatten nach Angaben des Militärs einen Ablenkungsangriff begonnen, um die Befreiung der Soldatin zu ermöglichen. Irakische Soldaten haben sich in der Stadt Nadschaf nach amerikanischen Angaben in einer berühmten Moschee verschanzt und von dort amerikanische Einheiten beschossen. Die Truppen seien am Mittwochmorgen von irakischen Streitkräften aus der Moschee von Alis Grab beschossen worden. Man werde nicht auf die Moschee zurückzuschießen, hieß es. Dagegen warf der irakische Informationsminister Muhammad Sajid al Sahaf den alliierten Streitkräften vor, "mehrere Moscheen" in Nadschaf und Kerbela bombardiert zu haben.

Quelle: rüb. ,Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2003, Nr. 79 / Seite 1
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