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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Krieg am Golf 13. Tag: Amerikanische Soldaten erschießen Zivilisten

 ·  Während die alliierte Luftwaffe Angriffe auf irakische Stellungen bei Bagdad und Mossul am Dienstag fortsetzte, wurden im Süden des Landes mindestens sieben irakische Zivilisten getötet.

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Während vor allem die Luftwaffe der alliierten Streitkräfte die Angriffe auf irakische Stellungen bei Bagdad und nahe Mossul im Nordirak am Dienstag fortsetzte, wurden im Süden des Landes mindestens sieben irakische Zivilisten von amerikanischen Soldaten getötet. An einer Kontrollstelle des amerikanischen Heeres nahe Kerbela wurden nach Angaben des Hauptquartiers der alliierten Truppen in Qatar am Montag nachmittag (Ortszeit) sieben Frauen und Kinder von amerikanischen Soldaten erschossen. Ein Reporter der Tageszeitung "Washington Post", der Augenzeuge des Vorfalls war, berichtete von zehn Toten, unter ihnen fünf Kleinkinder.

Nach Angaben der Dependance des für die Region zuständigen amerikanischen Zentralkommandos in Qatar hatte sich ein Kleinbus mit insgesamt 15 Insassen dem amerikanischen Kontrollpunkt an einer Kreuzung genähert und seine Fahrt trotz Warnschüssen in die Luft und in den Motorraum fortgesetzt. Daraufhin hätten die Soldaten das Feuer auf den Wagen eröffnet. Nach der Darstellung des Berichterstatters der "Washington Post", der sich mit der 3. Division des amerikanischen Heeres im Mittelirak aufhält, wurden dagegen keine Warnschüsse abgegeben.

Ein Sprecher des Zentralkommandos drückte sein Bedauern über den "sehr tragischen Vorfall" aus und kündigte eine Untersuchung an. Aus dem Pentagon hieß es, die Soldaten hätten sich angesichts der Bedrohungen durch irreguläre Kämpfer und potentielle Selbstmordattentäter richtig verhalten. Unweit der Kreuzung waren am Samstag vier Soldaten der 3. Heeresdivision bei einem Selbstmordanschlag eines irakischen Offiziers in Zivilkleidung getötet worden. Ohne die Verhaltensregeln für die Soldaten im Irak formal zu ändern, forderte das Pentagon die Truppen zu erhöhter Vorsicht zumal an Kontrollstellen auf. Alle Personen seien bis zum Beweis des Gegenteils als potentielle Kombattanten zu betrachten.

Bei einem weiteren Zwischenfall wurde nach übereinstimmenden Berichten der Nachrichtensender CNN und BBC am Dienstag vormittag ein irakischer Lastwagenfahrer nahe der Stadt Schatra im Süden des Iraks von amerikanischen Marineinfanteristen erschossen. Der Fahrer soll eine Aufforderung der Soldaten zum Anhalten nicht beachtet haben. Unterdessen schloß sich der britische Außenminister Jack Straw der Ansicht von Verteidigungsminister Geoff Hoon an, wonach die Explosion auf einem Marktplatz in Bagdad, bei der in der vergangenen Woche zahlreiche Zivilisten getötet wurden, von einer fehlgeleiteten irakischen Luftabwehrrakete und nicht von Bomben der Alliierten verursacht worden ist.

Aus dem Süden und der Mitte des Landes wurden am Dienstag weitere Gefechte zwischen alliierten Bodentruppen und irakischen Streitkräften gemeldet. Bei Kerbela wurden die amerikanischen Truppen von Luftangriffen unterstützt. Nach Einschätzung des Pentagon haben die fortgesetzten Bombardements der vergangenen knapp zwei Wochen die Kampfkraft der im Süden von Bagdad eingegrabenen Medina-Division der Elite-Einheit Republikanische Garde um 50 Prozent verringert. Auch die Innenstadt von Bagdad wurde nach Berichten von Nachrichtenagenturen in der Nacht zum Dienstag wieder von Detonationen erschüttert.

Getroffen wurde nach den Berichten auch der Sitz des Nationalen Olympischen Komitees, das von einem Sohn des Diktators Saddam Hussein geleitet wird. Nach Informationen von Menschenrechtsorganisationen wurden in dem Gebäude Athleten gefoltert, mit deren Leistung der für seinen Hang zur Gewalttätigkeit berüchtigte Udai Hussein nicht zufrieden gewesen sein soll. Bei den Bombardements starben nach irakischen Angaben im ganzen Land seit Montag weitere 56 Zivilisten, 268 seien verletzt worden. Über Opfer bei den Streitkräften schweigt sich Bagdad seit Kriegsbeginn aus.

Im Süden des Landes gelang den britischen Truppen nach eigenen Angaben ein wichtiger Erfolg bei der immer engeren Einkreisung der Stadt Basra. Man habe die westlich von Basra gelegene Stadt Zubair eingenommen, hieß es. Dabei habe man sich "brutale Gefechte" mit den irakischen Milizionären geliefert. 15 000 britische Soldaten belagern seit fast zwei Wochen die Stadt, in der Bagdad gegenüber loyale Milizen die mehrheitlich schiitische Zivilbevölkerung terrorisieren sollen. Auch aus der Umgebung von Nadschaf im Mittelirak und von Nassirija im Süden des Landes wurden weitere Gefechte gemeldet. Nassirija ist nach Angaben von CNN inzwischen so gut wie vollständig unter Kontrolle amerikanischer Truppen.

Präsident George W. Bush warnte vor Anschlägen irakischer Terroristen auf die Vereinigten Staaten. "Wir wissen, daß unsere Feinde verzweifelt sind, wir wissen, daß sie gefährlich sind", sagte Bush vor Angehörigen der Küstenwache in Philadelphia. "Viele Gefahren stehen noch bevor. Aber Tag für Tag kommen wir Bagdad und dem Sieg näher", sagte Bush.

Quelle: rüb., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2003, Nr. 78 / Seite 1
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