31.03.2003 · Entgegen den Vermutungen der vergangenen Tage haben die alliierten Streitkräfte unter massiver Unterstützung der Luftwaffe ihren Vormarsch auf Bagdad am Montag forciert.
rüb. WASHINGTON, 31. März. Entgegen den Vermutungen der vergangenen Tage haben die alliierten Streitkräfte unter massiver Unterstützung der Luftwaffe ihren Vormarsch auf Bagdad am Montag forciert. Panzer der 3. Infanteriedivision des amerikanischen Heeres rollten nach Angaben des Hauptquartiers in Qatar am Montag morgen in die Stadt Hindija ein, die etwa 80 Kilometer südlich von Bagdad in der Nähe der antiken Stätten von Babylon liegt. Bei Kämpfen in den Straßen der Stadt mit etwa 80000 Einwohnern wurden nach amerikanischen Berichten mindestens 35 irakische Soldaten getötet, mehrere Dutzend wurden gefangengenommen. Die gefangenen Soldaten sollen sich als Mitglieder der Nebukadnezar-Brigade der Republikanischen Garde ausgegeben haben.
Die amerikanischen Truppen halten nach Angaben des Zentralkommandos in Qatar auch die Brücke über den Euphrat bei Hindija fest, das östlich der seit Tagen von der amerikanischen Luftwaffe beschossenen Stadt Kerbela liegt. Einige Einheiten drangen nach Information aus dem Pentagon in die "rote Zone" ein, in der mit besonders entschiedenem Widerstand der irakischen Truppen gerechnet wird. Nach Einschätzung der amerikanischen Streitkräfte wurde die Schlagkraft der verschiedenen Divisionen der irakischen Elitetruppen im Süden der irakischen Hauptstadt durch die fortgesetzten Luftangriffe der vergangenen Tage um etwa die Hälfte reduziert.
Aus Bagdad selbst wurden auch am Montag fortdauernde Bombardements gemeldet Die Angriffe der Langstreckenbomber der Typen B-1, B-2 und B-52 galten Einrichtungen der Telefongesellschaft, Kommandozentralen und immer wieder Stellungen der Streitkräfte am Stadtrand. Am Sonntag waren fast zwei Drittel der etwa 800 Luftangriffe gegen die drei Divisionen der Republikanischen Garde um Bagdad gerichtet: die Hammurabi-Division im Norden, Westen und Süden, die Medina-Division im Süden und die Bagdad-Division im Südosten nahe der Stadt Al Kut. Die amerikanischen Streitkräfte nähern sich in drei Vorstößen von Südwesten, Süden und Südosten der irakischen Hauptstadt.
Ein Angriff von Bodentruppen von Norden her steht noch aus und dürfte sich wegen der geringen Zahl amerikanische Truppen im kurdisch kontrollierten Norden des Landes noch verzögern, obwohl es am Wochenende vereinzelte Vorstöße kurdischer Peschmerga gab. Die Stadt Kalak im Nordirak wurde nach Berichten von Nachrichtenagenturen und Fernsehsendern auch am Montag wieder bombardiert. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Luftwaffengeneral Richard Myers kündigte abermals verstärkte Angriffe auf den Ring der Republikanischen Garde rund um Bagdad an: "Wir werden die Schlinge immer enger ziehen."
Im Süden des Landes sicherten amerikanische Marineinfanteristen die Stadt Nassirija, um die es seit gut einer Woche Kämpfe gegeben hatte. In einem Gebäude wurden nach amerikanischen Angaben Schutzanzüge und Gasmasken zum Schutz vor chemische Waffen gefunden. In äußersten Südosten des Landes hat nach britischen Angaben der Vormarsch auf die Stadt Basra begonnen, in der zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Zivilisten ohne ausreichend Wasser und Nahrungsmittel eingeschlossen sind. Nach Angaben britischer Offiziere sind mehr als 600 Mann der "Royal Marines" auf den zwölf Kilometer südöstlich von Basra gelegenen Ort Abu el Chassib vorgestoßen. Die Bodentruppen seien von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen sowie von Kampfhubschraubern und Artillerie unterstützt worden. Mehrere britische Soldaten seien verletzt worden, einige von ihnen schwer. Mindestens 300 Iraker seien gefangen genommen worden, darunter fünf ranghohe Offiziere. Außerdem wurden nach Angaben der britischen Militärs irakische Panzer und Truppentransporter zerstört.
Der irakische Außenminister Nadschi Sabri warnte die britischen und amerikanischen Streitkräften vor massiven Verlusten und forderte ihre Soldaten auf, sich zu ergeben. Mehr als 5000 Männer aus arabischen Ländern seien zur Unterstützung der Verteidiger nach Irak gekommen.