31.03.2003 · Während die irakische Führung weitere Selbstmordanschläge gegen die Truppen der Koalition ankündigte, bekräftigte General Tommy Franks, seine Truppen setzten die Angriffe auf die irakischen Streitkräfte mit unverminderter Intensität fort.
30. März. Während die irakische Führung am Sonntag weitere Selbstmordanschläge gegen die Truppen der Koalition ankündigte, bekräftigte der Kommandeur des für den Nahen Osten zuständigen amerikanischen Zentralkommandos, General Tommy Franks, seine Truppen setzten die Angriffe auf die irakischen Streitkräfte mit unverminderter Intensität fort. Bei einer Pressekonferenz beim örtlichen Hauptquartier des Zentralkommandos und der alliierten Truppen in der Region in Doha in Qatar sagte Franks, von einer Kampfpause könne nicht die Rede sein. Weder der Widerstand irakischer Truppen noch gelegentliche Angriffe von "Banden von Verbrechern" könnten den Vormarsch weiterer Truppenteile und den Transport von Nachschub und Ausrüstung an die Front aufhalten.
Obwohl paramilitärische Gruppen die Bevölkerung in Städten wie Basra, Nassirija und Nadschaf terrorisierten, verbessere sich die Verständigung zwischen der ortsansässigen Bevölkerung und den alliierten Truppen von Tag zu Tag. In der vergangenen Woche war mehrfach Kritik von amerikanischen Kommandeuren im Feld laut geworden, wonach für einen Großangriff auf Bagdad zu wenig Truppen zur Verfügung stünden und zudem der Nachschub für die bis auf eine Entfernung von knapp 100 Kilometer an Bagdad herangerückten Soldaten nicht gesichert sei.
Über die zu erwartende Dauer des Krieges gab Franks keine genauen Angaben. Er schloß jedoch nicht aus, daß sich die Kämpfe bis in den Sommer hinein hinziehen könnten. Ähnlich zurückhaltend über einen raschen Erfolg hatte sich der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Richard Myers, in den vergangenen Tagen geäußert. Die Truppen im Irak könnten sich noch etwas Zeit lassen, denn der schwierigste Teil des Kriegs stehe ihnen noch bevor.
"4000 Gotteskrieger aus allen arabischen Staaten“
In Bagdad sagte ein Sprecher des irakischen Militärs, General Hazem al Rawi, am Sonntag, der Selbstmordanschlag von zwei Irakern auf einen amerikanischen Kontrollpunkt in Nadschaf im Mittelirak sei "nur der Beginn eines langen Wegs des Heiligen Krieges gegen die Invasoren" gewesen. Bei dem Anschlag waren am Samstag vier Soldaten der 3. Infanteriedivision des amerikanischen Heeres getötet worden. Ein Taxi hatte sich dem Kontrollpunkt genähert und in einigem Abstand gehalten. Daraufhin war der Fahrer ausgestiegen und hatte mit Handzeichen zu verstehen gegeben, daß er Hilfe benötige. Als sich die vier Soldaten dem Fahrzeug näherten, wurde der in dem Taxi untergebrachte Sprengsatz zur Detonation gebracht.
Bei dem Anschlag, der nach Angaben aus Bagdad von einem Offizier der irakischen Streitkräfte geplant und verübt wurde, starben auch die beiden Fahrer des Wagens. Es war der erste Anschlag dieser Art seit Beginn des Krieges. General al Rawi sagte, im Irak bereiteten sich "4000 Gotteskrieger" auf weitere Anschläge vor. Sie stammten "aus allen arabischen Staaten". Der Offizier sei posthum von Saddam Hussein mit einer Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden, die Familie habe umgerechnet 32 000 Euro als Belohnung erhalten, hieß es.
Luftangriffe auf Republikanische Garden
Aus der irakischen Hauptstadt meldeten Nachrichtenagenturen und Fernsehsender auch am Sonntag wieder heftige Explosionen. Bei den Bombenangriffen soll auch ein Appartmentkomplex getroffen worden sein, in dem ranghohe Regierungsbeamte mit ihren Familien wohnten. Anders als bei früheren Gelegenheiten, bei denen nach Angaben von irakischer Seite Wohngebiete getroffen worden sein sollen, wurde am Sonntag nichts von Opfern unter der Zivilbevölkerung mitgeteilt. Auf Stellungen der Republikanischen Garde im Süden der Hauptstadt wurden am Sonntag fortgesetzt Luftangriffe geflogen. Drei Viertel der Bomben- und Raketenangriffe richteten sich nach amerikanischen Angaben gegen Stellungen der Republikanischen Garde, der Elitetruppe des Diktators Saddam Hussein.
Unterdessen rückten Einheiten des Heeres und der Marineinfanterie am Ostufer des Euphrat und am Westufer des Tigris weiter auf Bagdad vor. Am Westufer des Euphrats sind amerikanische Panzerverbände am weitesten nach Norden, bis zur Stadt Kerbela, vorgedrungen. Zu Gefechten von Bodentruppen kam es wieder in der mittelirakischen Stadt Nadschaf und in Nassirija im Süden des Landes.
Signal an Schiiten
Britische Elite-Einheiten stießen zudem mit Panzern ins Zentrum der Stadt Basra vor und zerstörten zwei Statuen des Machthabers Saddam Hussein. Anschließend hätten sie sich wieder zurückgezogen, sagte ein britischer Militärsprecher. Zudem seien bei Kämpfen in Vororten der Stadt zwei Führer der irakischen Milizen getötet worden. Mit dem Vorstoß ins Zentrum der Stadt hätten die britischen Truppen den schiitischen Einwohnern der Stadt ein Signal geben wollen. "Wir sind da, und wir werden nicht weglaufen", sagte der Militärsprecher Oberst Al Lockwood. Eine Einnahme der Stadt ist aber offenbar nicht geplant, weil die alliierten Truppen noch immer auf den Zusammenbruch der Herrschaft der Vertreter des Bagdader Regimes von innen warten. Auch an der Nordfront dauerten die Kämpfe an.
Amerikanische Tageszeitungen berichteten, die Enklave der radikal-islamischen Terrororganisation Ansar al Islam im Nordosten des Iraks sei von kurdischen Kämpfern, unterstützt von amerikanischen Spezialeinheiten, überrannt worden. Dabei sind nach kurdischen Angaben 175 Kämpfer der Terrorgruppe getötet worden, die übrigen etwa 700 Rebellen hätten sich in Richtung iranischer Grenze zurückgezogen. Die Enklave war an den vergangenen Tagen immer wieder von amerikanischen Bombern angegriffen worden.
Auf dem Flugfeld Harir im kurdisch kontrollierten Nordirak trafen weitere amerikanische Transportflugzeuge mit Waffen und Ausrüstung ein. Kurdische Kämpfer setzten nach Angaben des amerikanischen Nachrichtensenders CNN ihre Angriffe im Nordirak gegen Stellungen der irakischen Streitkräfte fort.