Home
http://www.faz.net/-gpf-vxt7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kosovo Thaçi: Wir können nicht warten

18.11.2007 ·  Wahlsieger kündigt im F.A.Z.-Gespräch eine rasche Unabhängigkeitserklärung des Parlaments an

Von Michael Martens, Prishtina
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der designierte Ministerpräsident des Kosovos, das seit Juni 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet wird, hat nach dem deutlichen Sieg seiner Partei bei den Parlamentswahlen eine rasche Unabhängigkeitserklärung der Provinz angekündigt. „Es ist jetzt die Zeit der Entscheidung, nicht weiterer Verzögerungen“, sagte Thaçi im Gespräch mit dieser Zeitung.

Seine Regierung werde noch das Ende der laufenden Statusgespräche unter Leitung der aus amerikanischen, russischen und europäischen Diplomaten bestehenden Kosovo-Troika am 10. Dezember abwarten, dann aber handeln. „Das Kosovo wird die Entscheidung zu seiner Unabhängigkeit fällen.“

Die Demokratische Liga hinter sich gelassen

Wir können nicht warten, bis alle Staaten bereit sind, uns anzuerkennen“, sagte Thaçi, dessen aus der albanischen „Befreiungsarmee Kosovo“ (UÇK) hervorgegangene Demokratische Partei bei den dritten Parlamentswahlen in dem UN-Protektorat erstmals stärkste Kraft wurde.

Laut vorläufigen Ergebnissen stimmten am Samstag etwa 34 Prozent der Wähler für die Partei Thaçis (2004: 28,9 Prozent). Damit gelang es dem einstigen politischen Führer der offiziell aufgelösten UÇK, die zuvor stets überlegene Demokratische Liga (LDK) hinter sich zu lassen. Die LDK war zu Lebzeiten des von Albanern auf dem ganzen Balkan verehrten kosovarischen Präsidenten Ibrahim Rugova stets die dominierende politische Kraft im Kosovo gewesen, wurde nach dessen Tod im Januar 2006 jedoch von Nachfolgekämpfen erschüttert.

Von der serbischen Minderheit boykottiert

Bei der Abstimmung am Samstag erhielt die LDK, die bei den ersten beiden Wahlen unter internationaler Aufsicht jeweils mehr als 45 Prozent Zustimmung erhalten hatte, nur noch um 22 Prozent der Stimmen. Zur Schwächung trug auch der Erfolg der Allianz Neues Kosovo von Behgjet Pacolli bei. Für Pacolli, einen Schweizer Unternehmer kosovarischer Herkunft, stimmten etwa zwölf Prozent der Wähler.

Er hatte seine zur drittstärksten Kraft gewordene Partei erst im vorigen Jahr gegründet und im Wahlkampf versprochen, seine vor allem in Osteuropa tätige Firmengruppe Mabetex werde im Kosovo Tausende Arbeitsplätze schaffen. Die serbische Minderheit hatte die Wahl auf Weisung Belgrads fast geschlossen boykottiert. Die Wahlbeteiligung lag bei weniger als 50 Prozent.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7