11.07.2004 · Der UN-Generalsekretär warnt auf der Internationalen Aids-Konferenz in der thailändischen Hauptstadt: „Aids ist weit mehr als eine Gesundheitskrise, es ist eine Bedrohung für die Entwicklung".
Mit einem Aufruf, ausreichend Medikamente gegen die sich immer schneller ausbreitende Aids-Epidemie zur Verfügung zu stellen, hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, am Sonntag die 15. Internationale Aids-Konferenz in Bangkok eröffnet. "Aids ist weit mehr als eine Gesundheitskrise, es ist eine Bedrohung für die Entwicklung", sagte Annan zur Eröffnung der eine Woche dauernden Konferenz in der thailändischen Hauptstadt.
Vorsorge und Behandlung müßten ausgebaut werden, sagte Annan vor mehreren tausend Delegierten. Dazu müsse man vor allem die Position der Frauen verbessern. Sie seien besonders anfällig, "weil sie häufig ungebildet sind, mißbraucht und vergewaltigt werden und oftmals Ehemänner haben, die sexuellen Kontakt zu anderen Frauen pflegen". In Afrika seien knapp 60 Prozent aller Aids-Kranken Frauen.
Nicht alle Ziele erreicht
Daß es Hoffnung gebe, zeige das Beispiel Thailand: "Es hat einen Grund, warum die Aids-Konferenz in Bangkok stattfindet." Allerdings seien auch die Zahlen in Asien erschreckend: Jede vierte Infektion habe sich im vergangenen Jahr in Asien vollzogen.
Annan erinnerte an die vor drei Jahren von den Vereinten Nationen beschlossene "Declaration of Commitment on HIV/Aids". Seither seien wichtige Fortschritte erzielt und neue Organisationen wie der "Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria" gegründet worden. Annan sagte: "Einige der von uns damals bis 2004 gesteckten Ziele haben wir aber noch nicht erreicht.
Erfolgsbeispiel Thailand
Der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra verwies auf die Erfolge seines Landes in den vergangenen Jahren: Fünf Millionen HIV-Infektionen seien dank des Programms "Hundert Prozent mit Kondom" vermieden worden. Sein Land habe eine der preiswertesten antiretroviralen Behandlungen gegen das HI-Virus mit dem Generikum GPO-VIR ermöglicht.
Shinawatra versprach, daß bis Ende 2004 etwa achtzig Prozent der an Aids erkrankten Thailänder eine Therapie bekommen. Sein Land werde dafür sorgen, daß GPO-VIR auch anderen Staaten zur Verfügung gestellt werde. Zudem kündigte er an, daß seine Regierung in den nächsten fünf Jahren jährlich eine Million Dollar an den Global Fund überweisen werde.
Ziele der Konferenz
Joep Lange, der scheidende Präsident der International Aids Society, die die Aids-Konferenzen ausrichtet, erinnerte an das Treffen in Durban vor vier Jahren, das erstmals nicht in Europa, Nordamerika oder Japan stattgefunden hatte. Damals habe sich die Weltgemeinschaft bereit gefunden, allen Aids-Kranken Medikamente zur Verfügung zu stellen.
"Bangkok könnte eine ähnliche Bedeutung erlangen", sagte Lange. Bis Freitag werden mehr als 20000 Delegierte erwartet. Auf der Konferenz soll eine Bilanz der vergangenen drei Jahre gezogen werden, in denen Hunderttausende Aids-Kranke mit Generika behandelt wurden, und nach Wegen gesucht werden, wie noch mehr Patienten leichter Zugang zu einer antiretroviralen Therapie erhalten können.