19.07.2004 · kum. Schon der Kauf der "Cap Anamur" Anfang dieses Jahres stand unter einem ungünstigen Stern: Die Organisation rückte ab von ihrer oft improvisierten Nothilfe, die vieles auch fürderhin im stillen erreichte, nun aber darauf angewiesen ...
kum. Schon der Kauf der "Cap Anamur" Anfang dieses Jahres stand unter einem ungünstigen Stern: Die Organisation rückte ab von ihrer oft improvisierten Nothilfe, die vieles auch fürderhin im stillen erreichte, nun aber darauf angewiesen war, ein Millionenprojekt durch "Aufmerksamkeit" in humanitäre Münze zu verwandeln. Ob Inszenierung, "Zufall" oder nicht: Das war auch Sinn und Zweck der Mittelmeer-Aktion. Die wäre anders verlaufen, hätte tatsächlich und ausschließlich das Wohl der 37 Schiffbrüchigen im Vordergrund gestanden. Die Vorwürfe des Megaphon-Retters Bierdel gegen "Cap Anamur"-Gründer Neudeck ("seniler Zynismus") richten sich gegen alle - auch Innenminister Schily? -, die daran Anstoß nehmen. Offen bleibt, ob er diese Kritik an seinem Vorgehen für zynisch hält oder ob er es einfach anachronistisch findet, auf den Gedanken zu kommen, humanitäres Engagement komme heutzutage ohne marktschreierische Öffentlichkeitsarbeit aus. Wahrscheinlich meint er beides. Dem Ziel, einer "europäischen Zivilgesellschaft" den Spiegel der Welt in Not und Elend jenseits ihrer "Mauer" vorzuhalten, kommt "Cap Anamur" damit nicht näher. Sie liefert der Politik allenfalls eine Entschuldigung.