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Kommentar zum IS-Krieg : Kehrtwende am Boden

Künftig gegen den IS: Ein Angehöriger amerikanischer Spezialkräfte während der Landung eines „Blackhawk“Hubschraubers in Afghanistan (Archivbild). Bild: AFP

Amerikas Verteidigungsminister kündigt an, Spezialkräfte gegen den IS in den Kampf zu schicken. Eine riskante Entscheidung.

          Verteidigungsminister Ashton Carter hat verkündet, was die Erstürmung eines Gefängnisses des „Islamischen Staats“ (IS) unter Beteiligung amerikanischer Soldaten war: Ein Anfang. Die Aussage seines Pentagon-Sprechers Peter Cook, der zunächst den erstmaligen Einsatz von Washingtons Truppen (zusammen mit irakischen und kurdischen Einheiten) gegen den IS  als Ausnahme bezeichnet hatte, ist damit überholt.  Die Vereinigten Staaten greifen von nun an selbst in die Kämpfe am Boden ein. Nicht mit Panzern oder schwerer Artillerie, sondern mit Spezialkräften, die blitzschnell im Gebiet des Feindes auftauchen, zuschlagen und sich wieder zurückziehen. 

          Die Entscheidung Carters ist ein Eingeständnis. Amerika hat es nicht geschafft, den IS zurückzudrängen. Die Terrorkämpfer lassen sich nicht kaputtbomben. Der Aufbau gemäßigter Rebellengruppen, die gegen den IS kämpfen könnten, ist ein Desaster. Die irakische Armee und kurdische Milizen, auf denen ebenfalls Washingtons Hoffnungen lagen, können die Terrorkrieger nicht besiegen. 

          Der Entschluss erfolgt in einer Situation, in der sich Washington in der Defensive sieht. Die Türkei hat sich dem Kampf gegen den IS zwar verschrieben, nutzt ihn aber vor allem als Deckmantel für Angriffe gegen die Kurden. Ähnlich geht Russland vor. Moskaus Luftangriffe zielen offiziell auf den IS, dienen aber vor allem dazu, andere Rebellengruppen zu schwächen, die das Kernland des Assad-Regimes bedrohen.

          Washingtons Entschluss, Spezialkräfte einzusetzen, wirkt inzwischen alternativlos und bietet neue militärische Optionen: Elitesoldaten können den IS in den großen Städten seines  Herrschaftsgebietes angreifen, wo weder amerikanische Kampfflugzeuge noch verbündete Kräfte wirken können. Sie können Führungskader der Terrormiliz ausschalten, Kommandozentralen zerstören und Kommunikationsnetze des Gegners zerschneiden.

          Doch solche Operationen bergen auch Risiken. Russland könnte sich dazu entscheiden, als Antwort auf den amerikanischen Schritt seine eigenen Spezialkräfte zu aktivieren, ebenso Iran, die Türkei oder Saudi-Arabien. Neben dem Krieg an den Fronten könnte sich damit ein Krieg der Spezialkräfte entwickeln, die versuchen, im Rücken des Gegners mit präzisen Schlägen Vorteile zu erzielen. Es ist nicht auszudenken, welche Eskalationen sich daraus ergeben könnten, wenn die Spezialkräfte dieser Staaten in Gefechte miteinander geraten sollten.

          Auch mit Blick auf seine Soldaten und die öffentliche Meinung daheim betreten die Vereinigten Staaten gefährliches Terrain. Die Amerikaner müssen sich auf neue Gefallene wie den 39 Jahre alte gewordenen Joshua L. Wheeler einstellen. Der Stabsfeldwebel und Angehörige der Delta Forces wurde in den Gefechten mit dem IS getötet. Er war das erste Opfer der amerikanischen Streitkräfte im Irak seit 2011. Auch Bilder gefangener amerikanischer Soldaten in den Händen des IS könnten bald um die Welt gehen, mit all‘ den Grausamkeiten, die die selbsternannten Gotteskrieger ihren Opfern antun. Dass ein amerikanischer Präsident solche Taten ungesühnt lassen würde, ist unwahrscheinlich. Eine massive Militärintervention Amerikas wäre dann nicht mehr auszuschließen.

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