Home
http://www.faz.net/-gpf-u5er
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Vorführung im All

19.01.2007 ·  Es ist zweifelhaft, ob sich China in seinem Streben zur Großmacht des 21. Jahrhunderts von der Mahnung beeindrucken lässt, nicht in einen Rüstungswettlauf im Weltraum einzutreten. Möglicherweise ist der längst im Gang. Kommentar von Klaus-Dieter Frankenberger.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
Artikel Lesermeinungen (0)

China wächst und wächst. Es wird See-, es wird Weltraummacht. Jetzt ist es wieder einen Schritt vorangekommen in dem generellen Streben, im 21. Jahrhundert eine Großmacht zu werden, die es allemal mit dem Nachbarn Japan aufnimmt und die sich überall auf der Erde und sogar im Weltraum mit den Vereinigten Staaten messen kann.

Die offenkundig erfolgreiche Zerstörung eines chinesischen Wettersatelliten durch eine ballistische Mittelstreckenrakete zeigt, über welche militärtechnischen Fähigkeiten das chinesische Militär mittlerweile verfügt und welche große strategische Bedeutung die kommunistische Führung solchen Anti-Satelliten-Systemen beimisst. Das Manöver zeigt aber auch, wie berechtigt die Besorgnis über diese Militärmacht ist. Raketensysteme sind Teil des großen politischen und wirtschaftlichen, militärischen und technischen Machtwettbewerbs mit Amerika. Und zwar ungeachtet aller Beteuerungen des Gegenteils: Peking predigt Zusammenarbeit, modernisiert sein Militär und rüstet auf.

Militarisierung des Weltraums

Deshalb fällt es schwer, einem rüstungskontrollpolitischen Erklärungsversuch Glauben zu schenken, nach dem Peking über die Weltraumvorführung die Regierung in Washington an den Verhandlungstisch zwingen wolle, um ein Verbot von Weltraumwaffen zu erreichen. Gegen ein solches Verbot sperrt sich Amerika, weil es sich maximale Handlungsfreiheit im All sichern will.

Der Vorwurf, es betreibe eine Militarisierung des Weltraums, war und ist deshalb nicht unberechtigt. China zieht nun nach, weil der Weltraum eine zentrale Stellung in seiner Technologiepolitik einnimmt und weil es glaubt, dass künftige militärische Konflikte sich im Weltraum abspielen werden. Es demonstriert, dass es allgestützte Navigations-, Kommunikations- und Spionagesysteme eines potentiellen Gegners oder Rivalen ausschalten kann. Deswegen ist die Reaktion in Washington so heftig ausgefallen. Auch die Europäer sollten sich darüber klarwerden, dass andere in der Lage sind, ihre Aufklärungssysteme auszuschalten.

Es ist zweifelhaft, ob sich China - wie zuvor Amerika - von der Mahnung beeindrucken lässt, jetzt nicht in einen Rüstungswettlauf im Weltraum einzutreten. Möglicherweise ist der längst im Gang. Seine Bedeutung übertrifft den Müll, den Peking jetzt im All hinterlassen hat, bei weitem.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

Jüngste Beiträge

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3 7