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Kommentar Ungleiche Bedingungen

 ·  oll. Die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse gehört zu den Forderungen des Grundgesetzes, die auch für Bildungsstandorte gelten müssen. Daß es durchaus ein Wettbewerbsnachteil sein kann, in Bremen zur Schule zu gehen und nicht in Bayern, hat die Pisa-Studie gezeigt.

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oll. Die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse gehört zu den Forderungen des Grundgesetzes, die auch für Bildungsstandorte gelten müssen. Daß es durchaus ein Wettbewerbsnachteil sein kann, in Bremen zur Schule zu gehen und nicht in Bayern, hat die Pisa-Studie gezeigt. Die Kultusminister haben daraus die richtige Konsequenz gezogen, daß es bestimmte Eckwerte geben muß, die für Schulen in allen Bundesländern zu gelten haben - etwa gleiche Anforderungen für Schulabschlüsse und für die prüfungsrelevanten Kernfächer. Die Mühlen der Kultusbürokratie aber mahlen zu langsam. Und was nützt diese länderübergreifende Verständigung, wenn die Finanzknappheit der Haushalte nun auch die Bildungsressorts mit voller Wucht erfaßt?

Davor warnt der von den Kultusministern in Auftrag gegebene Bildungsbericht. Qualität im Schulwesen läßt sich nicht allein durch Geld sichern, aber sie kann durch Geldmangel ernstlich gefährdet werden. Deshalb zeichnet sich nun auch für die Schulen als Gefahr ab, was in der Hochschullandschaft schon längst Realität ist: Länder, die ihre Bildungsausgaben von den Einsparungen ausnehmen, stellen neue Lehrer ein, andere werden mit Unterrichtsausfall und Lehrerknappheit leben müssen und ihren Schülern langfristig schlechtere Schulen bieten können. Das gilt insbesondere für die immer noch stark vernachlässigte individuelle Förderung schwacher wie begabter Schüler. Sie kostet zusätzliche Unterrichtsstunden, also Geld. Nur so läßt sich aber die in allen Leistungsstudien belegte folgenreiche Ungleichheit der Ausgangsbedingungen mindern: Wer zugewanderte Kinder nicht möglichst früh Deutsch lernen läßt und Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern nicht zusätzliche Angebote eröffnet, wird das durch die Herkunft bedingte Gefälle des Bildungserfolgs nicht einmal ansatzweise ausgleichen können.

Eltern sollten sich darauf einrichten, daß sie mehr für die Ausbildung ihrer Kinder aufbringen müssen. Auch die Lernmittelfreiheit wird auf Dauer nicht in vollem Umfang aufrechterhalten werden können, zumal sich bei einem Eigenbeitrag hoffen läßt, daß Schüler sorgfältiger mit ihren Büchern umgehen. Exzellente Bildung kostet nicht nur Geld, sondern fordert auch Verantwortung - und die liegt zunächst bei den erziehenden Eltern und nicht beim Staat.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2003, Nr. 234 / Seite 1
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