22.03.2005 · In Amerika wird das Schicksal der 41 Jahre alten Wachkomapatientin Terri Schiavo benutzt, um nach der passiven Sterbehilfe eine Bresche für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe zu schlagen.
Von Georg HeftyIn Amerika wird das Schicksal der 41 Jahre alten Wachkomapatientin Terri Schiavo benutzt, um nach der passiven Sterbehilfe eine Bresche für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe zu schlagen. Nach Entscheidungen verschiedener Staatsgerichte und eines Bundesrichters steht - vorbehaltlich einer weiteren Entscheidung eines Bundesberufungsgerichts; zuletzt könnte noch der Supreme Court angerufen werden - fest, daß die Frau verhungern und verdursten soll, damit sie endlich stirbt.
Die von Richtern auf Antrag des Ehemannes angeordnete Entfernung der Magensonde und die Verweigerung der künstlichen Ernährung ist formal lediglich passive Sterbehilfe. Doch die Frau, die zu Tode kommen soll, kann aus eigener Kraft atmen, ihre Augen offenhalten und den Kopf wenden. Niemand kann mit letzter Sicherheit sagen, wieviel sie empfindet - ohne es gezielt ausdrücken zu können - und wieviel Schmerz und Qual ihr das Verhungern und Verdursten bereiten werden. Niemand kann auch vorhersagen, ob das mutwillig herbeigeführte Sterben über Tage, vielleicht sogar ein, zwei Wochen ihre Gesichtszüge verzerren und der Schrecken sich in ihre Augen setzen wird. Doch zur Linderung der Schmerzen dürfen die Ärzte wieder eingreifen und Medikamente verabreichen. Auch das ist passive Sterbehilfe und kann langwierig sein.
Doch diese Lage eignet sich hervorragend dazu, öffentlich die Frage zu stellen, ob es nicht menschlicher wäre, solche Leiden zu verkürzen. Wenn schon in Umfragen ein großer Teil der Amerikaner den Entzug der künstlichen Ernährung für richtig hält, um wieviel mehr Bürger werden einen raschen Tod der Todgeweihten befürworten? Selbst wenn die Ärzte sich jetzt nicht zur aktiven Sterbehilfe verleiten lassen, so werden deren Vorkämpfer selbst im nachhinein noch das qualvolle Sterben der Terri Schiavo beklagen, um Stimmung für ihr Anliegen zu machen. Die Gesetzgeber in einzelnen Bundesstaaten könnten davon beeindruckt werden. Dann aber wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis die aktive Sterbehilfe schon im Frühstadium des Wachkomas gefordert wird. Der Kongreß und Präsident Bush haben diese Gefahr erkannt und versucht, ihr entgegenzutreten. Nur solange die aktive Sterbehilfe nicht legalisiert ist, ist der Schutz des Lebens hilfloser und wehrloser Personen möglich. Amerika steht am Scheideweg.