10.09.2006 · Der Papst bekennt sich bei seinem Besuch herzlich zu seiner Herkunft. Benedikt ist jedoch kein Nostalgiker auf Heimaturlaub. Er ist gekommen, um seiner Heimatkirche die Leviten zu lesen. Ein Kommentar von Georg Paul Hefty.
Von Georg Paul HeftyDer wichtigste Deutsche hält sich seit Samstag wieder in Deutschland auf. Benedikt XVI. besucht Bayern - auch um all den „Lebenden und Verstorbenen zu danken“, die ihm dieses Land „zur Heimat gemacht haben und machen“. Der Papst bekennt sich herzlich zu seiner Herkunft, und Deutschland hat in dem Bayern Joseph Ratzinger eine Gestalt von Weltgeltung, die den althergebrachten Anspruch, ein Volk der Dichter und Denker zu sein, wie zur Zeit kein anderer auf der internationalen Bühne erfüllt.
Doch auch wer ihn nicht als bedeutenden Wissenschaftler anerkennen will, weil er als Ungläubiger etwa die Theologie insgesamt fragwürdig findet, kommt nicht umhin, in Benedikt das rechtliche und geistige Oberhaupt einer Milliarde Katholiken in allen Teilen der Welt anzuerkennen. Kein anderer Deutscher vermag Vergleichbares vorzuweisen. Niemand kann daher so kirchenfern oder gar kirchenfeindlich sein, daß er sich in diesen Tagen nicht bewußt würde, hier einen Mann zu sehen, der in den deutschen Geschichtsbüchern verzeichnet sein wird, solange dieses Land zum christlichen Abendland gehören wird.
Gekommen, um die Leviten zu lesen
Benedikt ist jedoch kein Nostalgiker auf Heimaturlaub. Er scheint vielmehr gekommen zu sein, um seiner Heimatkirche, dem reichsten Regionalverband in der ihm untertanen Weltkirche, mit unübertrefflicher Autorität auch die Leviten zu lesen. Seine Münchner Sonntagspredigt war ein Akt der Weltpolitik. Er lobte die Großherzigkeit der deutschen Katholiken, die eines der Fundamente internationaler Entwicklungs- und Sozialpolitik überhaupt ist. „Adveniat“, „Misereor“, „Renovabis“ und Tausende anderer Werke und Spendentöpfe haben ein größeres Volumen als die gesamte Entwicklungshilfe anderer Staaten. Sie helfen damit materiell beim Einsatz des Papstes für „Gerechtigkeit und Liebe“ in der Welt.
Doch der Papst mahnte, darüber die geistigen Voraussetzungen der „sozialen Ordnung“ nicht zu vernachlässigen. Die Evangelisierung müsse an vielen Orten vorausgehen, damit die sozialen Dinge vorangingen. Das ist nicht nur ein kirchenpolitischer Auftrag, sondern auch eine Wegweisung für die politische Wende von korrupten und unsozialen Regimen zu gerechten Staatswesen. „Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen.“ Unausgesprochen warnte Benedikt damit vor der weiteren Entchristlichung Deutschlands.
Hallo Herr Hefty,
gisbert heimes (gisbert4)
- 11.09.2006, 13:59 Uhr
Erkenntnis des weltlichen Evangeliums ermöglichte die neue soziale Weltordnung
Rüdiger Kalupner (Ruediger_Kalupner)
- 11.09.2006, 15:09 Uhr
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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