28.06.2005 · Ein halbes Jahrhundert wird es noch dauern, bis die Kernfusionstechnik wirklich ausgereift ist. Angesichts zur neige gehender oder ineffektiver anderer Energiequellen eine lohnende Investition.
Von Günter PaulInternationale Verträge zum Bau von Großprojekten werden nie von heute auf morgen geschlossen. Die Verhandlungen über den Standort der geplanten Fusionsanlage Iter haben ungefähr zwei Jahre in Anspruch genommen. Mit Iter soll die technische Machbarkeit eines Fusionsreaktors demonstriert werden, mit dem unsere Enkel und Urenkel fast grenzenlos Energie gewinnen könnten. Bis zur möglichen Verwirklichung dieser Vision wird aber mindestens noch ein halbes Jahrhundert verstreichen.
Von den bisher genutzten Energiearten hat keine dieses Zukunftspotential. Sonnen- und Windenergie, die von ihren Befürwortern seit Jahren propagiert werden, stehen nur zu gewissen Zeiten und nur in begrenzten Regionen zur Verfügung und sind zudem nicht sonderlich ertragreich. Gewiß sollte man sie dort fördern, wo ihre Nutzung sinnvoll ist. Aber weit wird man damit nicht kommen. Auch nicht mit der Nutzung der Wasserkraft.
Die heutige Wirtschaft stützt sich vor allem auf die Nutzung fossiler Energieträger - Kohle, Erdöl und Erdgas - sowie der Kernkraft. Die Nachteile dieser Techniken sind seit langem bekannt. Bei der Verbrennung der fossilen Energieträger, die zudem in einigen Jahrzehnten verbraucht sein werden, entstehen Abgase, die das Klima verändern können. Es spielt keine Rolle, wie stark dieser Effekt ist - eine Begrenzung kann auf jeden Fall den möglichen Schaden verringern.
Die Kernenergie läßt sich länger nutzen, weil die Spaltung von Atomkernen ein ertragreicherer Energielieferant ist, was die Brennstoffvorräte schont. Dafür bereiten die radioaktiven Abfälle Schwierigkeiten, und es besteht ein wenngleich geringes Risiko, daß ein Kernreaktor - wie in Tschernobyl geschehen - durchbrennt: mit im Zweifelsfall verheerenden Folgen. Deshalb sollte auch die Nutzung der Kernenergie begrenzt sein.
Der Kernfusion haften all diese Makel nicht an. Die Brennstoffe sind nahezu unbegrenzt verfügbar, ihre Nutzung ist äußerst effektiv, und durchbrennen kann ein Fusionsreaktor nicht. Bleiben die radioaktiven Abfälle, die aber weniger gefährlich sind als jene von Kernkraftwerken und zudem rasch zerfallen. Die Gegner zentraler Energieversorgung werden daraus gleichwohl ein Schreckgespenst machen.