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Kommentar : Schöner feiern im Zaren-Palais

Feiern zum Schaden Deutschlands: Schröder und Putin (Archivbild) Bild: REUTERS

Um die öffentliche Meinung hat sich Gerhard Schröder noch nie groß geschert. Für die führenden SPD-Politiker in der Großen Koalition ist seine Feier in St. Petersburg ein Offenbarungseid.

          Ob Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier wussten, mit wem ihr einstiger Förderer und Chef Gerhard Schröder seinen siebzigsten Geburtstag in Sank Petersburg im großen Stil nachfeiert? Die Bilder vom lachenden Schröder, der von seinem Freund Wladimir im ehemaligen Zaren-Palais geherzt und geknuddelt wird, während deutsche Bundeswehrsoldaten in der Geiselhaft von fanatischen Putinverehrern sind, wirken makaber.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Um die Ratschläge seiner Nachfolger und die öffentliche Meinung über ihn hat sich der frühere Bundeskanzler - und das erst recht nach seinem Ausscheiden aus dem Amt - noch nie groß geschert. Doch für die führenden SPD-Politiker der großen Koalition ist die Party des früheren Bundeskanzlers mit seinem offenbar besten Freund Wladimir Putin ein Offenbarungseid.

          Mit sorgenvoller Miene pendelt Schröders einstiger major domus Steinmeier seit Wochen durch halb Europa, um die Russen zu besänftigen und auf keinen Fall durch übereilte härte Sanktionen weiter zu provozieren. Und Sigmar Gabriel richtete für Schröder vor zwei Wochen in Berlin eine besonders schöne Geburtstagsfeier aus. Eine Veranstaltung mit deutschen Genossen und Weggefährten, die Schröder erkennbar nicht als ultimative Würdigung seines politischen Lebenswerks reichte. Der runde Geburtstag als elder statesman mit Sinn für gute Geschäfte wurde erst richtig schön durch die fröhliche Nachfeier mit Freund Wladimir.

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          Nicht auszuschließen, dass Schröder seine Zusage an dem von seinem russischen Arbeitgeber Nordstream AG ausgerichteten Empfang als wertvollsten deutschen Friedensbeitrag in der Krise sieht. Ähnlich wie seine Rede auf dem Marktplatz zu Goslar, die Deutschland aus Sicht von Schröder-Verstehern das militärische Abenteuer an Bushs Seite im Irak ersparte.

          Als eine Art Geburtstagsgeschenk Putins darf Schröder immerhin das Versprechen Moskaus mit nach Hannover nehmen, dass die russischen Truppen sich wieder von der Grenze zur Ukraine zurückziehen wollen. Schröder verleiht dem Wahlspruch der moskautreuen DKP für ihre Mai-Feiern eine neue Bedeutung: Nicht nur hämmern und sicheln, sondern auch mal feiern und picheln.

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