07.10.2005 · Natürlich steckt in der Zuerkennung des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und an ihren Direktor El Baradei auch eine Portion Kritik an der Regierung Bush; für das norwegische Nobelkomitee ist das mittlerweile ein bekanntes Merkmal.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerNatürlich steckt in der Zuerkennung des Friedensnobelpreises an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und an ihren Direktor El Baradei auch eine Portion Kritik an der Regierung Bush; für das norwegische Nobelkomitee ist das mittlerweile ein bekanntes Merkmal. Aber der Streit im Irak-Konflikt - über die Rechtmäßigkeit des amerikanischen Vorgehens, das Drängen Washingtons, das Beharren El Baradeis und seines Amtsvorgängers Blix auf der Ergiebigkeit von Inspektionen - ist noch nicht soweit Geschichte, daß er nicht in die aktuelle Weltpolitik hineinragte. Zumal "die Geschichte" Bush und Blair eben nicht recht gegeben hat, was die behaupteten irakischen Massenvernichtungswaffen anbelangt, dafür aber offenkundig El Baradei.
Atomdisput auf der Eskalationsleiter
Heute scheint ein neuer Atomdisput die Eskalationsleiter hinaufzuklettern, und wieder spielen Amerika, El Baradei und IAEA Hauptrollen. Aber selbst wenn das gegenseitige Mißtrauen nicht einem völligen Einvernehmen gewichen ist, so sind die Wiener Behörde und ihr Direktor hinsichtlich des iranischen Atomprogramms nicht (viel) weniger skeptisch als die Amerikaner. Daß El Baradei einen anderen Ton an den Tag legt und einen anderen Stil pflegt, hat dabei vermutlich weniger mit Gutgläubigkeit zu tun als mit dem institutionellen Interesse, sich den Zugang seiner Behörde zu verdächtigen iranischen Atomanlagen nicht zu verbauen und als wichtiger Akteur im Spiel zu bleiben. Das ist legitim; am Ende wird nur zählen, ob es gelungen ist, Iran von einer militärischen Nutzung der Atomenergie abzuhalten.
In diesem grundsätzlichen Sinne ist die Wahl des Komitees rundherum zu begrüßen. Es hat, wie zuvor der UN-Generalsekretär - und der wiederum als helles Echo auf Bush -, die Weiterverbreitung und Weitergabe von Massenvernichtungswaffen als eine Hauptbedrohung des 21. Jahrhunderts erkannt. Diese Bedrohung würde vollends zur Apokalypse, wenn Terroristen in den Besitz von Nuklearwaffen gelangten - dieses Szenarium wird jedenfalls von Fachleuten für möglich gehalten. Daß mit der Preiszuerkennung auch die ausdrückliche Wertschätzung internationaler Zusammenarbeit verbunden ist, versteht sich da von selbst. Die Mahnung, mit der Abrüstung nicht innezuhalten, sondern sie fortzusetzen, ist irgendwie auch selbstverständlich. Nicht nur aus der Sicht Oslos.
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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