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Kommentar Mit fester und sicherer Hand

Daß Ratzinger aus Deutschland stammt, das Land der Reformation, sprach am Ende nicht gegen, sondern für ihn. Ratzinger, das ist - mit der Macht des Geistes -.die Gegen-Reformation in Person. F.A.Z.-Kommentar.

© dpa/dpaweb Vergrößern Ratzinger: Kein wetterwendiger Glaube

Ut unum sint - Daß sie eins seien: Dieses Wort aus dem Johannes-Evangelium hatte Papst Johannes Paul II. vor nunmehr zehn Jahren über sein wegweisendes Lehrschreiben über die Ökumene wider die Spaltung der Christenheit gestellt. Ut unum sint - diesen Wunsch haben sich am Montag und Dienstag auch die 115 Kardinäle zu Herzen genommen. Binnen 24 Stunden bestimmten sie in nur vier Wahlgängen Joseph Kardinal Ratzinger zum 265. Papst der römisch-katholischen Kirche.

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Die Einmütigkeit der Kardinäle ist das erste Zeichen für den Weg, den das Konklave dem neuen Papst vorgezeichnet hat - daß er, soweit es in seiner Macht steht, die Kirche eine. Das zweite Zeichen ist der Mann, dem sie die Bürde dieses einzigartigen Amtes übertragen haben. Das "Habemus Papam", das von der Loggia des Petersdoms mit dem Schein der Abendsonne um die Welt ging, kündigte einen Mann an, der die Kirche, das Schifflein Petri, mit fester und sicherer Hand durch die Stürme dieser Zeit lenken soll. Am Montag noch, vor dem Beginn des Konklaves, hatte Ratzinger als Dekan des Kardinalskollegiums in seiner Predigt die Kardinäle beschworen, sich nicht der Diktatur des Relativismus zu beugen oder der Banalisierung des Bösen Raum zu geben. Die einzige Haltung auf der Höhe der Zeit - das ist nicht der wetterwendige Glaube an die vielen -ismen, die in den beiden vergangenen Jahrhunderten die Menschheit von einem totalitären Extrem in das andere jagten. Erwachsenen und reifen Glauben, der in der Freundschaft mit Christus wurzele - das empfahl Ratzinger den Kardinälen.

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Mit dem Vertrauen Johannes Pauls II.

Doch nicht nur das. Mit seiner Predigt empfahl Ratzinger auch sich, so wie er schon in den Sterbestunden des Papstes der Welt versichert hatte, daß Johannes Paul II. ihm gedankt habe, vor allem für das, was er in den letzten Jahren getan habe. Als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hatte er über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg das unbedingte Vertrauen Johannes Pauls II. genossen. Er hatte für ihn den Kampf aufgenommen gegen die Verirrungen einer lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, gegen Interpretationen des Zweiten Vatikanischen Konzils, die das Verständnis der Kirche als "communio" gegen die hierarchische Struktur der Kirche ausspielen wollten, gegen eine Ökumene, die nicht mehr nur die eine Kirche, sondern Kirchen kannte, gegen ein Zeugnis der Katholiken in Staat und Gesellschaft, welches das Licht des Glaubens eher verdunkelte als hell erstrahlen ließ.

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Nicht trotz, sonder wegen seiner Festigkeit gewählt

Daß seine Mahnungen bei Bischöfen und Laien nicht immer auf Wohlwollen stießen, nahm der Kardinal nach außen hin gleichmütig auf. Nur manchmal gab er zu erkennen, daß die Last, die er im Dienste Gottes glaubte tragen zu müssen, ihn hart drückte. Manches Mal, so wird berichtet, hatte er den Papst gebeten, ihn aus dem Joch zu entlassen, ihm die Freiheit wiederzuschenken, die er viele Jahre als theologischer Lehrer genossen hatte. Doch der Papst ließ ihn nicht gehen - er brauchte ihn, und das selbst im Widerspruch. Denn Ratzinger war nicht mit allem einverstanden, was der charismatische Johannes Paul II. sich und seiner Kirche zumutete. Das Schuldbekenntnis des Jahres 2000, Gebete an der Seite anderer Religionsführer - auf diesen Wegen folgte der Kardinal dem Papst mitunter nur widerwillig.

So wählten ihn die Kardinäle aus West und Ost, Nord und Süd nicht trotz, sondern wegen seiner Festigkeit in einem der kürzesten Konklave der Kirchengeschichte zum neuen Papst Benedikt XVI. Daß Ratzinger aus Deutschland stammt, jenem Land, welches in der Geschichte der Kirche auf immer das Land der Reformation ist, das sprach am Ende nicht gegen, sondern für ihn. Ratzinger, das ist die Gegen-Reformation in Person - nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit der Macht des Geistes. Eins soll die Kirche sein - das ist die Botschaft des Konklaves, zum Segen für die Stadt und den Erdkreis.

Quelle: D.D., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. April 2005, Seite 1

 
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Veröffentlicht: 20.04.2005, 08:56 Uhr

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