Home
http://www.faz.net/-gpf-v9kl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Köpfe und Tentakel

 ·  New York. Madrid. London. Und dann Frankfurt? Hanau? Heidelberg? Islamistische Terroristen trachten danach, den Westen in seinen Grundfesten zu erschüttern. Ihnen darf man keine Frei- und Rückzugsräume lassen, in Afghanistan nicht, in deutschen Moscheen und Hinterzimmern nicht und auch nicht in der digitalen Welt des Internets. Von Berthold Kohler.

Artikel Lesermeinungen (3)

New York. Madrid. London. Und dann Frankfurt? Hanau? Heidelberg? Die Namen deutscher Städte hätten die Reihe schwerer Anschläge verlängern sollen, mit denen islamistische Terroristen den Westen in seinen Grundfesten zu erschüttern trachten. In der deutschen Provinz, in ihren Ferienhäusern und Garagen, verwandelte sich die „hohe abstrakte Gefahr“, vor der die Sicherheitsbehörden schon lange warnen, in eine sehr konkrete Bedrohung.

Die Anschläge, die vor allem amerikanische Einrichtungen treffen sollten, hätten eine bisher nicht gekannte Dimension des Schreckens nach Deutschland gebracht. An einem solchen Tag hat an erster Stelle das Lob aller Personen und Dienste stehen, die mit monatelanger Arbeit zur Verhinderung dieser Taten beigetragen haben. Es ist gut zu wissen, dass der Staat auch im Kampf mit dem transnationalen Terrorismus Leib und Leben seiner Bürger und Gäste zu schützen weiß.

Radikalisierte junge Islamisten

Beunruhigen aber muss, dass dieser Hydra ständig neue Köpfe und Tentakel wachsen, längst auch schon in unseren Dörfern und Städten. Zwei der drei Verhafteten sind Deutsche, die zum Islam konvertiert sind und in Pakistan das Handwerk des Terrors gelernt haben.

Die Radikalisierung junger Islamisten macht vor Deutschland nicht halt. Auch wenn solche Erinnerungen gerne verdrängt werden: Das war nicht der erste Attentatsversuch. Die Bomben werden größer und ihre Leger offenbar professioneller. Das ist eine Realität, der man sich auch hierzulande stellen muss.

Keine Frei- und Rückzugsräume lassen

Sie ist durch die jüngste Polizeiaktion so augenfällig geworden, dass Schäuble darauf verzichten konnte, sein Ceterum censeo zur Online-Durchsuchung anzufügen. Frau Zypries und Frau Künast dagegen meinten anmerken zu müssen, die Anschläge hätten auch ohne Anwendung dieses Mittels verhindert werden können.

Tatsächlich? Dieser Einsatz führte die zuständigen Sicherheitsbehörden an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Und sollte Deutschland wirklich mit der Botschaft für sich werben, das Computergeheimnis sei ihm heilig, auch das von Terroristen?

Die Erfahrung zeigt, dass man ihnen keine Frei- und Rückzugsräume lassen darf, in Afghanistan nicht, in deutschen Moscheen und Hinterzimmern nicht und auch nicht in den Tiefen des Internets. Der nächste Anschlag wird vielleicht schon geplant. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Online-Durchsuchung)

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken

05.09.2007, 19:06 Uhr

Weitersagen
 

Puppenspieler Putin

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Die Hoffnung auf eine Lösung in der Ukraine-Krise hat wenig mit dem Ergebnis des Genfer Krisengipfels zu tun. Skepsis ist berechtigt, wie Putins jüngster Fernsehauftritt zeigt. Mehr 7

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden