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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Keine Lösung

31.03.2006 ·  Wie immer, wenn es an der Hauptschule brennt, wird nicht nach dem Feuerlöscher gesucht, sondern die Abbruchfirma benachrichtigt. Doch mit der Auflösung der Hauptschule würden deren Probleme nicht behoben, sondern nur im Schulsystem verlagert.

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Wie immer, wenn es an der Hauptschule brennt, wird nicht nach dem Feuerlöscher gesucht, sondern die Abbruchfirma benachrichtigt. Doch mit der Auflösung der Hauptschule würden deren Probleme nicht behoben, sondern nur im Schulsystem verlagert. Das wissen auch diejenigen, die seit Jahren nach der Abschaffung der Hauptschule rufen wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und einige sozialdemokratische Kultusminister, die von einem zweigliedrigen Schulsystem oder gar von Gemeinschaftsschulen nach skandinavischem Vorbild träumen.

Aber auch Hamburgs Schulsenatorin von der CDU, die es eigentlich besser wissen müßte, bevorzugt ein zweigliedriges System. Doch die integrierten Schulsysteme zügeln weder die Gewaltbereitschaft der Schüler, noch gelingt es ihnen, den Schülern ein besseres Deutsch beizubringen - und das ist und bleibt die wichtigste Grundvoraussetzung für den Zugang zum Lehrstellen- und zum Arbeitsmarkt.

Wenn dem Hilfeschrei der Berliner Rütli-Schule überhaupt etwas Positives abzugewinnen ist, dann ist es die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen für die Schulform, die schon immer Schüler mit den größten sozialen und sprachlichen Unterschieden und Begabungsdifferenzen in riesigen Klassen zu vereinen hatte. Sie hätte schon in den vergangenen Jahren jene Förderung gebraucht, die den Gesamtschulen mit 30 Prozent zusätzlichen Mitteln gewährt wurde. So viel Geld ist mindestens nötig, um Hauptschulen bevorzugt zu Ganztagsschulen aufzubauen, um Lehrer mit fachlicher Vorbildung für Deutsch als Fremdsprache einzustellen, Schulpsychologen, Sozialhelfer mit Türkisch- und Arabischkenntnissen einzusetzen, um den unerläßlichen Kontakt zum Elternhaus überhaupt möglich zu machen. Selbst in den gelingenden Integrationsprojekten, die es vereinzelt gibt - in den meisten Bundesländern leider nicht in der Fläche -, kommt die Elternarbeit zu kurz.

Die Hauptschule und ihre Lehrer können weder die versäumte elterliche Erziehung nachholen noch das Scheitern der Integrationspolitik der vergangenen Jahre rückgängig machen. Jetzt geht es um verpflichtendes Sprachenlernen spätestens im Kindergarten und die Stärkung der Hauptschulen durch berufspraktische Orientierung. Wer dabei spart, schafft die Sozialhilfeempfänger von morgen.

Quelle: oll., F.A.Z., 01.04.2006, Nr. 78 / Seite 1
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