20.10.2009 · Die Fälschungen bei der Präsidentenwahl werden schwerlich ohne Karzais Wissen zustande gekommen sein. Diesen Makel wird auch ein zweiter Wahlgang, den der amtierende Präsident wahrscheinlich deutlich gewinnen wird, nicht ganz tilgen können.
Von Günther NonnenmacherDie gute Nachricht aus Afghanistan heißt, dass sich Präsident Karzai an das Recht und an die Verfassung halten will. Nach längerem Widerstand hat er jetzt zugestimmt, dass es am 7. November eine Stichwahl zwischen ihm und seinem Konkurrenten Abdullah geben wird. Damit hat er auch eingestanden, dass das Ergebnis des ersten Wahlgangs gefälscht war. Keineswegs sicher ist – das ist die weniger gute Nachricht –, dass sich damit die politische Lage in Afghanistan verbessern wird.
Karzai hat vor seinen Anhängern das Gesicht und in der internationalen Gemeinschaft an Kredit verloren, denn die Fälschungen werden schwerlich ohne sein Wissen zustande gekommen sein. Diesen Makel wird auch ein zweiter Wahlgang, den er wahrscheinlich deutlich gewinnen wird, nicht ganz tilgen können.
Außerdem ist zu befürchten, dass die logistische Großanstrengung einer Wahl in Afghanistan von vermehrten Attacken der Taliban noch erschwert wird: Wahlwillige müssen um ihr Leben bangen. Sinkt die Beteiligung unter das im ersten Wahlgang erreichte Drittel, wird der ganze Vorgang ohnehin zweifelhaft.