http://www.faz.net/-gpf-8x3k2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 21.04.2017, 10:55 Uhr

Hinrichtung in Arkansas Jetzt besser?

Die Haltbarkeit einer chemischen Substanz entscheidet über Leben oder Tod eines Menschen in Arkansas. Ein denkbar schwaches Argument für die Todesstrafe.

von

Die Familie des Opfers habe 24 Jahre lang auf Gerechtigkeit gewartet, teilt die Generalstaatsanwältin des amerikanischen Bundesstaates Arkansas via Twitter mit. Was ist geschehen? Die Justiz hat einen Mann, der den Mord bestreitet, hingerichtet, weil das Haltbarkeitsdatum für einen Bestandteil des Giftcocktails ablief, der Todeskandidaten verabreicht wird. Und nun soll sich die Familie des Opfers besser fühlen?

Peter Sturm Folgen:

Schon die Begründung für die Hinrichtung ist abstoßend. Die Haltbarkeit einer chemischen Substanz entscheidet über Leben oder Tod eines Menschen, eines Menschen, dessen Schuld womöglich nicht über alle Zweifel erhaben ist? Rachegedanken sind bei Angehörigen von Verbrechensopfern naheliegend und nur allzu menschlich. Sind die jetzt befriedigt? Wohl kaum, denn Zeugen der Hinrichtung sagen, der mutmaßliche Täter habe nicht gelitten. Wozu also dieses Menschenopfer?

Mehr zum Thema

Außerdem: Was wäre eigentlich gewesen, wenn die Giftsubstanz noch ein paar Jahre brauchbar geblieben wäre? Dann hätte vermutlich auch die pflichtbewusste Generalstaatsanwältin von Arkansas nichts dabei gefunden, dass die Familie des Opfers weiter auf „Gerechtigkeit“ hätte warten müssen. Wenn die Befürworter der Todesstrafe keine besseren Argumente als Haltbarkeitsdaten haben, sollten amerikanische Gerichte dem mörderischen Treiben möglichst schnell ein Ende bereiten.

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

Mehr erfahren

Politik mit Urlaubern

Von Friederike Haupt

Ein verschärfter Ton gegenüber dem türkischen Präsident Erdogan ist angemessen – und dringend notwendig. Aber warum trägt Sigmar Gabriel den Konflikt auf dem Rücken von Urlaubern aus? Mehr 22 19

Quelle: wahlrecht.de
Alle Umfragen

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage