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Kommentar In Flammen aufgegangen

29.07.2011 ·  Was sich seit Beginn dieser Woche im Kosovo abspielt, schreckt auf. Serben und Albaner gehen wieder mit Gewalt aufeinander los. Den Europäern und Amerikanern wird nichts anderes übrig bleiben, als die Zügel wieder straffer anzuziehen.

Von Nikolas Busse
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Der Westen hat sich gerade erst in Libyen auf einen neuen Krieg eingelassen, da wird er auf raue Art und Weise daran erinnert, welches Konfliktpotential noch manch befriedet geglaubter Altfall birgt. Was sich seit Beginn dieser Woche im Kosovo abspielt, schreckt auf. Mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Krieges, mehr als drei Jahre nach der Unabhängigkeit des Kosovos und nach ungezählten (Geld-)Geschenken aus Brüssel gehen Serben und Albaner wieder mit Gewalt aufeinander los, als seien sie alleine auf der Welt.

Zum Glück haben nicht alle Nato-Mitglieder diesen Schauplatz schon verlassen, wie etwa die Briten. Noch hat die Schutztruppe Kfor genug Soldaten, um für Ordnung zu sorgen. (Das sollte allzu eifrigen Abzugsplänen an anderen Einsatzorten eine Mahnung sein.)

Gegenüber der kosovarischen Führung sollte man keine Nachgiebigkeit zeigen

In diesem Konflikt einen Schuldigen auszumachen, war noch nie besonders einfach, dazu sind die balkanischen Händel oft zu undurchsichtig. Es fällt allerdings auf, dass der kosovarische Ministerpräsident Thaci offenbar losgestürmt ist, ohne die amerikanische Regierung, die EU oder die Nato um Erlaubnis zu fragen. Weder in Brüssel noch in Washington hätte man ihm wohl dazu geraten, den Zollstreit mit Serbien durch ein riskantes Hauruckmanöver zu lösen. Aber natürlich ist die serbische Seite auch nicht viel besser, denn auf Provokationen sollte man nicht mit Gewalt antworten. Immerhin hat Präsident Tadic die Vorfälle verurteilt.

So kommt Europa bei der Lösung dieses Problems derzeit nicht einmal mit den Trippelschritten voran, auf die sich die EU zuletzt verlegt hat. Noch vor einigen Wochen hatten beide Seiten unter Brüsseler Aufsicht praktische Vereinbarungen für ihre Bürger getroffen, die die heikle Statusfrage ausklammern. Diese Methode ist jetzt am Grenzübergang Jarinje fürs erste in Flammen aufgegangen. Vermutlich wird den Europäern und Amerikanern nichts anderes übrig bleiben, als die Zügel wieder straffer anzuziehen.

Im Verhältnis zu Serbien hat es sich ausgezahlt, dass der Westen auf der Auslieferung der letzten Kriegsverbrecher bestanden hat. Gegenüber der kosovarischen Führung sollte man jetzt keine Nachgiebigkeit zeigen. Denn die will schließlich in die EU.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent für die Nato und die EU mit Sitz in Brüssel.

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