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Kommentar Hilfe und Verantwortung

 ·  kum. Die Hilfsbereitschaft, die auf die Flutkatastrophe im Süden und Südosten Asiens reagiert, kämpft nicht nur gegen Obdachlosigkeit, Hunger und Seuchengefahr. Sie kämpft auch mit sich selbst. In fast allen großen Geberstaaten wuchs ...

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kum. Die Hilfsbereitschaft, die auf die Flutkatastrophe im Süden und Südosten Asiens reagiert, kämpft nicht nur gegen Obdachlosigkeit, Hunger und Seuchengefahr. Sie kämpft auch mit sich selbst. In fast allen großen Geberstaaten wuchs die Hilfe über Nacht um mehr als das Zehnfache, und das war nicht nur als Panikreaktion auf eine vermeintliche Unterschätzung des "biblischen Ausmaßes" der Katastrophe zu verstehen. Begleitet wurden die Korrekturen von diplomatischem Kräftemessen, bei dem sich Frankreich, Amerika oder Japan gegenseitig zeigen, wer schneller, größer und eben hilfsbereiter ist, um Aufgaben übernehmen zu können - in den UN, in Europa, in der Welt -, die nicht unbedingt mit Naturkatastrophen zu tun haben. Eine Gelegenheit tat sich da auf, um barmherzig besorgte Machtpolitik zu treiben.

Das alles kommt den Menschen von der afrikanischen Ostküste bis nach Sumatra zugute, besser gesagt: den dortigen Zuständen, für die die Hilfsbedürftigen ungefähr sowenig können wie für die verheerende Flutwelle. Die Hilfsbereitschaft kämpft nun auch deshalb mit sich selbst, weil sie zusehen muß, wie die massenhafte Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, vor allem aber erkennen muß, daß sich jene Zustände nicht so schnell ändern, die von jeher die Schwierigkeiten von Entwicklungshilfe begründen. Vorschläge zur besseren Koordination wie der für bilaterale "Patenschaften" stoßen schnell an entsprechende Grenzen: Warum sollte eine Atommacht wie Indien daran interessiert sein? Müßte sich solche abgestimmte Hilfe nicht vielmehr gegen die von Sri Lanka bis Indonesien grassierende Korruption richten? Welcher dieser von Militärstolz durchsetzten Staaten wollte sich darauf einlassen?

Auch der Ruf nach einem "Frühwarnsystem" hat mehr mit Beruhigung zu tun als mit tatsächlicher Hilfe. Aller berechtigter technischer Aufwand zum Schutz vor Katastrophen - daran fehlte es offenbar am Indischen Ozean, was nicht nur an Geldmangel liegen kann - sollte nicht darüber täuschen, daß das beste Frühwarnsystem immer noch die Skepsis gegenüber den Versprechungen tropischer Paradiese ist. Daran mögen Reiseveranstalter kein großes Interesse haben. Aber ihre Kunden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2005, Nr. 2 / Seite 1
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