11.11.2007 · Das vom amerikanischen Einmarsch im Irak herbeigeführte und von der Schröderschen Achsenpolitik vertiefte Zerwürfnis zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland darf nach dem Besuch der Kanzlerin auf Bushs Ranch endgültig als überwunden angesehen werden.
Von Berthold KohlerDer letzte Bundeskanzler vor Angela Merkel, den ein amerikanischer Präsident, damals Lyndon B. Johnson, in sein Refugium auf dem Lande einlud, hieß Ludwig Erhard. In Amerika, und ganz besonders in Texas, gilt der Empfang auf einer Ranch als große politische Geste, weit bedeutungsvoller noch als ein Grillabend in Vorpommern.
Bush bestätigte der Bundeskanzlerin damit in aller Öffentlichkeit, dass das Vertrauen in die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zurückgekehrt ist. Das vom amerikanischen Einmarsch im Irak herbeigeführte und von der Schröderschen Achsenpolitik vertiefte Zerwürfnis darf endgültig als überwunden angesehen werden.
Das heißt nicht, dass Washington und Berlin auf die Probleme und Konflikte der Welt mit denselben Augen blickten. Im Spannungsfeld von Klimaschutz und Wirtschaftsinteressen setzt die Regierung Bush andere Prioritäten als die Regierung Merkel. Auch die Reform des UN-Sicherheitsrates betrachtet Amerika aus naheliegenden Gründen als nicht so dringlich wie die Staaten, die dem Club der Mächtigen bestenfalls gelegentlich und dann nur mit minderen Rechten angehören. Doch in den meisten Fragen der Weltpolitik stimmen die amerikanische und die deutsche Position überein oder kommen einander näher.
Das gilt auch für die sich langsam, aber stetig verschärfende Krise wegen des Strebens Irans nach der Atombombe. Berlin und Washington sind sich einig, dass Teheran nicht in den Besitz dieser Massenvernichtungswaffe gelangen darf. Doch haben Russland und China bisher verhindert, dass ausreichend großer Druck auf das Mullah-Regime ausgeübt wird.
Da die Zeit für Teheran arbeitet, ließ Bush in jüngster Zeit durchblicken, Washington denke nunmehr öfter über militärische Lösungen nach. Diese Botschaft richtete sich mindestens ebenso an Moskau und Peking wie an Teheran. Amerikas Säbelrasseln erleichtert es aber auch der Kanzlerin, in Europa endlich effektive Wirtschaftssanktionen gegen Iran durchzusetzen. Gerade besonders geschäftstüchtigen Konzernen muss klar sein, was ein Militärschlag gegen Iran für ihre Investitionen und den Ölpreis bedeutete. Bushs Äußerung, Iran auf dem Wege der Diplomatie zum Einlenken bringen zu wollen, sollte nicht über seine Entschlossenheit hinwegtäuschen, notfalls doch zu anderen Mitteln zu greifen. Viel Zeit dafür bleibt diesem amerikanischen Präsidenten nicht mehr.
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