24.03.2004 · bko. Ob die islamistischen Terroristen, die den Anschlag auf Bundespräsident Rau geplant haben sollen, wußten, daß sein politisches Motto "Versöhnen statt spalten" lautet? Daß er zwar bekennender Christ, aber alles andere als ein ...
bko. Ob die islamistischen Terroristen, die den Anschlag auf Bundespräsident Rau geplant haben sollen, wußten, daß sein politisches Motto "Versöhnen statt spalten" lautet? Daß er zwar bekennender Christ, aber alles andere als ein militanter Missionar ist? Daß er im "Kopftuchstreit" eine an Selbstvergessenheit grenzende Toleranz offenbarte? Daß er wie die Regierung und die große Mehrheit der Bevölkerung des Staates, den er repräsentiert, gegen den Irak-Krieg war? Raus politische Ansichten spielten für jene, die ihn nach den Erkenntnissen des Geheimdienstes ermorden wollten, keine Rolle. In Djibouti sollten das Staatsoberhaupt einer westlichen Demokratie und mit ihm diese Staatsform und deren Prinzipien getroffen werden, während in Madrid noch die Opfer der letzten Attacke beweint wurden.
Die Choreographie des islamistischen Terrors, mit dem der Westen konfrontiert ist, folgt einer einfachen Regel: Trefft sie, wo ihr könnt. Dieser Terrorismus richtet sich nicht nur gegen die Präsenz westlicher Staaten in der islamischen Welt, er richtet sich gegen die Werte des Westens selbst. Gefangene werden in diesem Kampf von den Terroristen nicht gemacht, feinsinnige Unterscheidungen zwischen einem amerikanischen und einem deutschen Weg nicht getroffen. Sonst dürfte Deutschland, das größtmöglichen Widerstand gegen die anglo-amerikanische Intervention im Irak leistete, nicht ins Fadenkreuz der Terroristen geraten. Das geschieht gleichwohl, weil Deutschland zur Gemeinschaft freiheitlicher Demokratien gehört, die "universelle", von den Islamisten aber verabscheute Werte hochhält.
Aus dieser Gemeinschaft können wir nicht austreten. Neutralität ist auch in dieser Konfrontation keine Option, weil der Gegner sie nicht anerkennt und weil auch Deutschland Interessen in der islamischen Welt verfolgt: freien Handel, sicheren Bezug von Öl, aber auch die Verbreitung von Demokratie und Menschenrechten. Es kann uns nicht egal sein, was dort geschieht. Ein Zurückweichen vor dem Terror aber darf es nicht geben; diese Maxime des demokratischen Rechtsstaats gilt auch nach außen. Berlin scheint sich an sie halten zu wollen, darüber ist sogar ein Zusammenrücken mit Amerika zu beobachten. Von Übel wäre es dagegen für die freie Welt, wenn das spanische Beispiel Schule machte.