12.11.2004 · wgl. Begräbnisse historischer Persönlichkeiten sind hochpolitische Ereignisse, da machen die Trauerfeier in Kairo und die Beerdigung Jassir Arafats im palästinensischen Ramallah keine Ausnahmen. Europa war nicht durch seine höchsten ...
wgl. Begräbnisse historischer Persönlichkeiten sind hochpolitische Ereignisse, da machen die Trauerfeier in Kairo und die Beerdigung Jassir Arafats im palästinensischen Ramallah keine Ausnahmen. Europa war nicht durch seine höchsten Repräsentanten vertreten, sondern nur durch die Außenminister, die in Kairo freilich - wie auch Bundesaußenminister Fischer - etwas zu spät ankamen. Die Unordnung am dortigen Flughafen machte die fiebrige Atmosphäre deutlich, in die Arafats Tod nicht allein die Sicherheitskräfte gestürzt hat. Hinzu kam der Zeitdruck: Muslime müssen in der Regel in möglichst kurzer Frist bestattet werden.
Es fiel auf, daß auch die kleinen arabischen Golfstaaten auf vergleichsweise niedriger personeller Ebene an den Zeremonien teilnahmen. Zwar gilt der verstorbene Abu Ammar den Arabern als Held, doch mit Abstufungen. Die Ölländer am Golf, allen voran Kuweit, haben dem Palästinenserführer Arafat bis heute nicht verziehen, daß er im Krieg 1990/91 bewußt den Aggressor Saddam Hussein unterstützte. Dieser hat inzwischen seinen Thron in Bagdad verloren. Daß die Trauerfeier in Kairo stattfand, erachten die Ägypter als Bestätigung ihrer ungebrochenen Führungsrolle in der arabischen Welt. Und es war auch eine Reverenz an die ägyptischen Jugendjahre des Verstorbenen.
Arafat findet seine letzte Ruhestätte zunächst in Ramallah. Das war angesichts der Machtverhältnisse kaum anders möglich. Bedenklich stimmt, daß im Raum der Mukataa, seines Hauptquartiers, die bewaffneten Gruppen der Hamas, des Islamischen Dschihad und der Al-Aqsa-Brigaden den Ton angaben. Dies dämpft die jüngsten Spekulationen, nach Arafats Tod werde ein israelisch-palästinensisches Arrangement vielleicht leichter. Schon gab es Drohungen der Islamisten gegen jene, die zu Zugeständnissen an Israel bereit seien. Die Radikalen können alle Initiativen zerstören, wenn sie das wollen. Nur ein palästinensischer Führer, der als nicht so weich und "westlich" gilt wie Abu Mazen und Abu Ala, fände vor ihren Augen Gnade. Das trifft auf Marwan Barghuti zu; der aber sitzt in israelischer Haft. Dennoch könnte er eines Tages jener Mann werden, der nach einem Interregnum das Erbe Jassir Arafats antritt.