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Kommentar Fest der Liebe und . . .

24.12.2007 ·  Längst ist das Fest der Liebe zu einem Fest des Geldes geworden. Doch soviel wie in diesem Jahr wurde in Deutschland kaum einmal über Geld geredet. Die aktuelle Gehalts- und Lohndebatte war absehbar. Nutzt sie oder schadet sie?

Von Georg Paul Hefty
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Noch nie ist in der Bundesrepublik zur Weihnacht so viel über Geld gesprochen worden wie in diesem Jahre des Herrn 2007. Dabei geht es nicht einmal um die Kaufkraft der Verbraucher insgesamt und des Durchschnittsverdieners im Besonderen. Das Weihnachtsgeschäft scheint am Ende des wirtschaftlich erfolgreichen Jahres nicht schlecht zu laufen - was den Käufern wie den Verkäufern und nicht zuletzt den großen und kleinen Empfängern all der Geschenke von Herzen zu gönnen ist. Doch der Eigenbefund des Handels, man werde mit „einer schwarzen Null“ aus der Sache herauskommen, ist schon Teil der um sich greifenden Lebenslüge: lediglich eine „schwarze Null“? Zu Gewinnen bekennt sich offenbar niemand mehr.

Aus dem Fest der Liebe ist politisch und damit gesellschaftlich ein Fest des Geldes geworden. Dazu tragen alle bei, die am vierten Adventssonntag über Managergehälter, Sportlereinkommen, Mindestlöhne oder die Ethik der Genügsamkeit sprechen: der Bundestagspräsident, der BDI-Präsident, die Parteivorsitzenden von CSU und SPD wie auch katholische und evangelische Bischöfe. Das Tragikomische daran ist, dass sie alle vergebens kämpfen. Kein Fußballer ist als Arbeitskraft 14 Millionen wert, kein Manager auf Grund seines persönlichen Arbeitseinsatzes 60 Millionen, wenn gleichzeitig der tatsächliche Autobauer mit einem Jahreslohn um die 30.000 Euro nach Hause geht. Aber ändern kann dies zurzeit niemand. Und die Aussichten, dass die brieflich ermahnten Unternehmer nun mit ihren Rechtfertigungen (soll das Muster lauten: „Nicht nur wir verdienen viel, sondern auch unsere hochqualifizierten Mitarbeiter“?) in der Öffentlichkeit mehr Glauben finden werden, sind wohl ebenso unbegründet wie die Hoffnung, das Wort der Kirchen werde die Ohren derer erreichen, die es angeht.

Zuspitzung der Debatte war absehbar

Die Zuspitzung der Gehalts- und Lohndebatte war seit Jahren zu erwarten - und wurde von Kritikern wie Nutznießern sehenden Auges (blind waren auch die nicht, die sich blind stellten) in Kauf genommen. Nicht einmal ein feudalistisches System kann solche Spannen auf Dauer wortlos ertragen, geschweige denn eine Demokratie, in der das Dreiklassenwahlrecht längst abgeschafft ist. Die Frage ist allein, ob diese Debatte Druck aus dem Kessel nimmt oder ihn erhöht. Die Festtage gehen vorbei, die Wahltermine auch, nur die Debatte wird bleiben.

Quelle: F.A.Z., 24.12.2007, Nr. 299 / Seite 1
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