11.01.2005 · kum. Einer der Kernsätze im Manifest der schwedischen Familiensozialisten Gunnar und Alvar Myrdal "Krise der Bevölkerungsfrage" lautet, die Familie dürfe nicht länger Keimzelle der Gesellschaft sein, sondern die verstaatlichte Gesellschaft ...
kum. Einer der Kernsätze im Manifest der schwedischen Familiensozialisten Gunnar und Alvar Myrdal "Krise der Bevölkerungsfrage" lautet, die Familie dürfe nicht länger Keimzelle der Gesellschaft sein, sondern die verstaatlichte Gesellschaft müsse sich die Familie schaffen, die sie für ihre Zwecke brauche. Schon damals, 1934, war der Ausgangspunkt eine dramatisch sinkende Geburtenrate, und die Myrdals gaben wie die Generationen, die sich seither auf sie beriefen, vor, daran etwas ändern zu wollen. Die Konsequenz lautete nicht etwa, der Familie den Freiraum zu schaffen, den sie braucht, um den Wunsch nach Kindern zu erfüllen. Sondern im Gegenteil, die Familie wurde noch zusätzlich vor die Aufgabe gestellt, einen Haushalt zu organisieren, in dem beide Eltern erwerbstätig sind.
Seit jener Zeit firmiert die angebliche Lösung eines Demographie-Problems unter dem Etikett "Vereinbarkeit von Beruf und Familie", und das Mittel soll die außerhäusliche, weitgehend staatliche Betreuung der Kinder sein. Müttern und Vätern, die sich dagegen wehren, droht bis heute der Vorwurf, sie vergötterten ein vormodernes Familien-, Männer- und Frauenideal. Denn den Myrdals der Familienpolitik, die in den sechziger und siebziger Jahren den Marsch durch die Institutionen antraten, geht es um Gesellschaftspolitik, geht es nicht um möglichst viele Kinder, sondern um möglichst viele erwerbstätige und sozialversicherungspflichtige Frauen.
Für die Berliner Familienpolitik muß es ein Schlag ins Gesicht sein, daß laut den Allensbach- und Forsa-Untersuchungen nur eine Minderheit der Befragten ihren Wunsch nach (weiteren) Kindern von Betreuungsmöglichkeiten abhängig macht. Viel lieber hätten sie es offenbar, wenn sie möglichst viel Zeit mit den Kindern verbringen könnten, also selber entscheiden könnten, ob beide Elternteile arbeiten, ob nur einer, ob Frau oder Mann, ob Teilzeit oder Vollzeit. Familienministerin Schmidt wischt die Voraussetzung dafür - etwa ein Familiengeld oder Familiensplitting wie in Frankreich, also eine Art Steuerfreiheit für "Groß"-Familien - mit dem Argument vom Tisch, das sei nicht finanzierbar. Doch dieses finanzielle Argument soll immer nur in einer Richtung gelten.