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Kommentar Europa und die Intellektuellen

Von Holger Christmann
27.06.2001
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Der Soziologe Jürgen Habermas beklagt, dass die Intellektuellen die Europadebatte den Verwaltungexperten und Politikern überließen.

Habermas hat recht - wenn er die Intellektuellen in Deutschland meint. In Frankreich beteiligen sich die Intellektuellen - vom Ökonomen über den Geisteswissenschaftler bis zum Salon-Philosophen - spätestens seit der Diskussion um den Vertrag von Maastricht lebhaft an der Europa-Debatte. Und anders als hierzulande, wo die Wogen allenfalls bei der Frage einer drohenden Entwertung der DM-Mark hochgehen, erregen sich die Franzosen über den Verlust nationaler Souveränität und das demokratische Defizit Brüsseler Entscheidungen.

Warum sind die Franzosen so debattenfreudig? Darüber ließe sich lange spekulieren. Etwa über Emile Zola und die Dreyfuss-Affäre. Eine vergleichbare Empörung hat es in Deutschland nicht gegeben. Warum mischen sich deutsche Intellektuelle - von Günter Grass einmal abgesehen - so wenig in Politik ein? Vielleicht wegen der typisch autoritären Attitüde des „Fachmanns“, die den Denker auffordert, „bei seinen Leisten zu bleiben“; oder weil „Intellektueller“ hierzulande immer schon ein Schimpfwort war?

Die unpolitische Attitüde deutscher Schriftsteller hat auch mit der Teilung des Landes zu tun. Die Flucht in die oberflächlich-schillernde Welt der Pop-Literatur, kann als Reaktion auf die Polarisierung der Nachkriegsgesellschaft verstanden werden. Mit der Ideologie kam vielen Autoren das politische Interesse abhanden.

Die alten Haudegen begreifen die neue Welt mit den Kategorien der Nachkriegszeit nicht mehr und die jungen Intellektuellen verschließen vor vielem die Augen. Dabei geht es in der aktuellen Europadiskussion um das elementere politische Fragen wie die, ob die EU-Bürger an europäischen Entscheidungen ausreichend beteiligt sind.

Der Europa-Debatte geht es wie der Debatte um die Biopolitik - beide Themen entziehen sich den alten ideologischen Kategorien. Hier neue zu entwickeln, das wäre eine Herausforderung für die Intellektuellen - in Deutschland und in Europa.

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