Home
http://www.faz.net/-gpf-szq3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Eingerückt

12.07.2006 ·  Von den Hoffnungen, die im vergangenen Sommer aus Anlaß der Räumung des Gazastreifens durch Israel aufgekommen waren, ist nichts mehr übrig. Die Gewaltspirale scheint momentan auf beiden Seiten nicht zu stoppen.

Artikel Lesermeinungen (9)

Erinnerungen an den Libanonkrieg des Jahres 1982 werden wach: Nach der Verschleppung zweier weiterer Soldaten durch Milizen der Hizbullah („Partei Gottes“) ist Israel in den Süden des Landes eingerückt. Die Hizbullah, obwohl schiitisch, gleicht in vielem der palästinensischen Hamas, die eine sunnitische Bewegung ist: Beide sind militante Organisationen, die Terroranschläge verüben, aber gleichwohl mit ihrem politischen Flügel auch in den Parlamenten in Ramallah und in Beirut sitzen und Ämter haben. Schon lange klagt Israel über den enormen Einfluß der Hizbullah im Westjordanland und in Gaza, hinter dem Iran steht, erst recht unter dem Präsidenten Mahmud Ahmadineschad, der durch seine verbalen Vernichtungsphantasien gegenüber Israel die Militanten noch bestärkt.

Von den Hoffnungen, die im vergangenen Sommer aus Anlaß der Räumung des Gazastreifens durch Israel aufgekommen waren, ist nichts mehr übrig. Auch im Gazastreifen setzt die israelische Armee ihre Aktionen fort, unter denen die Zivilbevölkerung zu leiden hat. Sie sucht dort noch immer den zuvor als Geisel genommenen Soldaten Gilad Schalit. Politik wird nicht betrieben. Beide Seiten sind enttäuscht: Israel unter anderem, weil der Rückzug aus Gaza von der anderen Seite nicht honoriert wurde; die Hamas interpretierte den Abzug vielmehr - wie seinerzeit schon die israelische Räumung der Sicherheitszone im Südlibanon - als Sieg eigener Beharrlichkeit, nicht israelischer Vernunft. Die Palästinenser sind erbittert darüber, daß Israel vielleicht einseitige Grenzziehungen vornimmt, ohne Absprachen oder Verhandlungen. Die Gewaltspirale scheint momentan auf beiden Seiten nicht zu stoppen.

Auch der Libanon als Beherberger der Hizbullah kommt wieder in große Schwierigkeiten. Israel verlangt von ihm schon seit geraumer Zeit die Entwaffnung der Hizbullah. Wie das möglich sein soll angesichts eines schiitischen Bevölkerungsanteils von wenigstens vierzig Prozent, ist schwer zu sagen. Wie die „Konsequenzen“ für den Libanon aussehen werden, mit denen Israel jetzt droht, werden die kommenden Tage zeigen. Auch mit den Palästinensern will man nicht über eine Freigabe des Soldaten Schalit verhandeln. Die friedensbewegte Genfer Initiative ebenso wie die „Roadmap“ erscheinen heute wie ferngerückte Phantasmagorien.

Quelle: wgl. / F.A.Z., 13.07.2006, Nr. 160 / Seite 1
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Brandsatz Syrien

Von Günther Nonnenmacher

In Syrien ist ein voll entfalteter Bürgerkrieg im Gang. Assad geht mit aller Härte vor, weil er fürchtet, dass jedes Nachgeben als Zeichen der Schwäche gewertet wird. Die Opposition hofft, das Regime mit der Zeit zu zermürben. Dieser Konflikt könnte den gesamten Mittleren Osten in Brand setzen. Mehr 1 1